Willkommen zum Tanz ...
mit den Danze-Liut

"Wenn Ihr in Gesellschaft tanzet, so senket auf keinen Fall den Kopf, um Eure Schritte zu überprüfen oder gar um nachzuschauen, ob Ihr auch gut tanzet. Haltet Kopf und Körper vielmehr aufrecht, der Blick sei stolz und selbstbewusst. Spucket und schneuzet nur wenig, und wenn die Not Euch dazu zwinget, so wendet den Blick zur Seite und nutzet ein reinliches Taschentuch. Plaudert gar freundlich mit der Dame Eurer Wahl, mit lieblicher und ehrsamer Rede. Lasset die Hände locker, nicht leblos hängend, aber auch nicht wild gestikulierend. Seid in jedem Falle ordentlich gekleidet, mit stramm gezogenem Wams und sauberen Schuhen."

Hätte es den französischen Tanzmeister Thoinot Arbeau nicht gegeben (ein Pseudonym für Jehan Tabourot, Domherr von Langres), und hätte dieser 1588 nicht seine berühmte "Orchésographie" verfasst, das erste systematische Verzeichnis mittelalterlicher Tanzbeschreibungen, aus dem das obige Zitat stammt – dann wüssten wir heute erheblich weniger darüber, wie die Menschen im Hoch- und Spätmittelalter getanzt haben. Vor allen Dingen weniger Geordnetes, denn der damals immerhin 69-Jährige brachte in seiner "Orchésographie" seinem fiktiven Tanzschüler, dem Studenten Capriol, nicht nur Flötentöne und grazile Schritte zu damals gebräuchlichen Tänzen wie Branle, Gaillarde, Pavane, Allemande, Courante und Basse Dance bei, sondern schulte ihn auch in feinem Benehmen, im Umgang mit den Damen und in diversen gesundheitlichen, gesellschaftlichen, erotischen und kosmischen Dimensionen des Tanzes: "Übet Euch unterdessen sehr rechtschaffen in dieser Kunst - und Ihr werdet wahrlich zum Gefährten der Planeten, die auf ganz natürliche Weise tanzen!"

 

Die Danze-Liut (gesprochen: Danze-Lüüt; Mittelhochdeutsch: Tanz-Leute), die Tanzgruppe des Vereins zur Förderung des Lebendigen Mittelalters in Büdingen e.V., profitieren bis heute von den Anweisungen aus dem 16. Jahrhundert, die wiederum auf bedeutend älteren, zum Teil Jahrtausende alten Überlieferungen von Reigentänzen basieren. Branle, Gaillarde und Pavane finden sich auch in ihrem Repertoire, dazu eine schwungvolle Entrade als Eingangstanz, historische Tänze aus Deutschland, Irland, Italien, Spanien, Frankreich, Ungarn, Polen und Russland, Variationen mit keltischem Einschlag sowie ein Reigen von Symboltänzen aus der Gedanken- und Mysterienwelt der tausend Jahre "in der Mitte" zwischen der Antike und deren klassischer Wiedergeburt/Renaissance (daher übrigens der Name "Mittel-"Alter).

Vor knapp vier Jahren lieferten die im Büdinger Oberhof vom Beuringer Gassevolk inszenierten "Bürgerhochzeiten" den Anlass für Akteure und Publikum, sich in mittelalterlichen Tänzen zu üben. Aus dem Spaß für einen Abend wurde eine kleine Erfolgsgeschichte über Jahre hin. Heute tanzen die Danze-Liut bei großen Büdinger Festen und kleinen Privat- oder Betriebsfeiern, auf Burgen und zwischen stilvollen Ruinen, vor Kirchen, mitten auf dem Marktplatz, zum Ritterschmaus und natürlich bei der mittelalterlichen Hochzeit in den eigenen Reihen. Acht Männer und zwölf Frauen von Offenbach über Bad Nauheim nach Ortenberg, Ranstadt und Hirzenhain sind es bei den Proben im Sälchen der Kunst- und Musikschule, aller vierzehn Tage donnerstags von 20.15 bis 21.45 Uhr - wenn alle anwesend sind, denn genügend Freiheit (auch für Beruf und Familie) muss sein! Obwohl manche Danze-Liut auf der Homepage www.danzeliut.blogger.de schon bezeugen, dass sie auch ganz von und mit dem Tanz leben könnten. Doch das bleibt wohl ein Traum, ebenso wie die Vorstellung, dass Mägde und Ritter, Freifrauen und Knechte miteinander das Tanzbein geschwungen haben könnten, wie es die sehr unterschiedlichen Gewandungen der Danze-Liut nahelegen. Diese "getanzte Utopie" aber ist genauso ein Markenzeichen der ausstrahlungsstarken Truppe wie die Tänze, die zwischen Authentizität und Experiment, eigenem Vergnügen und Schautanz, Gruppenerlebnis und Mitmach-Aktion für die Zuschauenden changieren. Alles zu erleben beim Mittelalterfest in Büdingen. Schnüret also die (sauberen!) Schuhe und straffet das Wams!

Inge Müller

 

Taucht ein in die Welt des Tanzes, der Minne und der Musik, der Mächtigen und der kleinen Leute! Beginnt mit einer heiteren "Entrade", bei der Mann und Weib einander fröhlich umgarnen. Lasset die stolze "Pavane" folgen, geeignet zur Präsentation prunkvoller Gewänder. Tanzet eine temperamentvolle "Gaillarde", bei der das Mannsvolk den Kniefall vor den Weibsleuten übt oder ein gar romantisches "Spinnradl", wo jeder Recke zwei edle Frauen führen darf. Zum Ende gibt es den "Circassian Circle", bei dem alles Volk und alle Stände lustig durcheinander wirbeln.

Habt Ihr Lust, zu tanzen?
Anno Domini 2005 wurden die Danze-Liut ins Leben gerufen. Die "Tanz-Leute" gehören zum Förderverein "Lebendiges Mittelalter in Büdingen". Sie treffen sich alle 14 Tage donnerstags um 20.15 Uhr im Oberhof, dem Sitz der Musik- und Kunstschule in Büdingen, zur Probe.

Die Danze-Liut bei Ihnen zu Gast
Gerne verlassen die Danze-Liut auch einmal das mittelalterliche Büdingen (Gassen-Bild), kommen zu Ihnen und bringen Bewegung in jeden privaten, geschäftlichen oder städtischen Rahmen.

Sie tanzen auf historischen Feiern, auf Marktplätzen und in Gassen, auf Burgen, in Stuben, auf Hochzeiten und bei Hoffesten. Kurzum - überall dort, wo nette Menschen fröhlich sind!

Interessierte melden sich bitte bei
Inge Müller, Tel. 0160 7726668
http://danzeliut.blogger.de