Presse
Berichte von 2011 folgen...
Ein öffentliches Lob
Die Redaktion des „Kreisanzeigers für die Wetterau“ schreibt am 29. Dez. 2007 im Jahresrückblick auf Seite 11 „Das war 2007“:
„Als Tourismus- und Kulturstadt machte Büdingen ebenfalls Schlagzeilen. Positives und Negatives hielt sich die Waage. Höhepunkt waren die Ausstellung „Ernst Barlach – Mystiker der Moderne“ in der Marienkirche, die Landpartie auf dem Schlossgelände und vor allem das große Mittelalterfest. Inzwischen hat sich in der Stadt eine Mittelalterszene etabliert, die fernab von jeglichem Kommerzgedanken agiert. Das Spektakel im Juli ist zum größten Teil ihr Verdienst.“
Ihre Musik ist wie ein wohliges Bad in warmem Wasser (Kreis-Anzeiger, 17.07.2007)
Kantorin Barbara Müller entführt mit mittelalterlichem Ensemble in Hildegard von Bingens Klangwelten - "O gravis labor - O harte Arbeit"
Daniel HenselBÜDINGEN. Einen gewaltigen Kraftakt hat Barbara Müller hinter sich gebracht. Trotz Erkältung dirigierte die Kantorin ihr mittelalterliches Ensemble eineinhalb Stunden durch Hildegard von Bingens "Ordo Virtutum". Es war nicht leicht, weder für die Musiker und Sänger, noch für die Zuhörer, rund 90 Minuten den ewigen Melismen der Hildegard von Bingen zu folgen. Müller machte das "Ordo Virtutum" dennoch zu einem klanglichen Vergnügen. Man merkte ihr die Anstrengung gar nicht an, so energisch dirigierte sie ihr Ensemble. Vorab konnte man das Unterfangen durchaus kritisch beäugen: ein so langes Stück mit Laiensängern, dazu alles einstimmig (von der Intonation schwierig, da man jeden Fehler hört, weil auch Frauenstimmen durch ihre Höhe in der Einstimmigkeit zu unangenehmen Schwebungen neigen, wenn sie nicht sauber singen). Die Besucher wurden allerdings positiv überrascht.
Das Konzert begann mit einer kurzen Ansprache der Kantorin, in der sie betonte, man müsse sich auf die Musik Hildegard von Bingens einlassen. Die Musik sei heutigen Hörgewohnheiten fremd. Ihre Musik sei wie ein wohliges Bad in warmem Wasser, in dem man es gut aushalten könne. Wem die Zeit von eineinhalb Stunden zu lang erscheine, der solle seine Armbanduhr ausziehen und weglegen. Barbara Müller erläuterte drei Szenen und erzählte dem Publikum die Geschichte der Nonne Richardis, zu der Hildegard eine besondere Beziehung hatte. Als Richardis zur Äbtissin berufen wurde, hatte Hildegard versucht, ihr dies auszureden, da Hildegard nach einer göttlichen Schau bewusst geworden sei, dass Richardis ein solches Amt noch nicht übernehmen könne. Die Äbtissin kehrte darauf zu Hildegard zurück, wurde aber krank und verstarb. Darüber habe sich Hildegard ärgste Vorwürfe gemacht, da sie in das Leben einer anderen Person eingegriffen habe. In der Figur der Keuschheit in "Ordo Virtutum" habe sie der Äbtissin ein Denkmal gesetzt. Hildegard habe das Singspiel in den Gottesdienst integriert und zur Ehre und zum Lob Gottes geschrieben und aufgeführt. So wollten die Kantorin und Pfarrerin Ellen Schneider-Oelkers es auch verstanden wissen. So begaben sich Zuhörer und Musiker in das ausgiebige Klangbad.
Es war ein einziger klanglicher Genuss. Für ein Ensemble, das fast nur aus Laien bestand, war dies eine hervorragende Leistung. Musiker und Sänger waren gut intoniert, was bei einem Blockflötenensemble auch keine Selbstverständlichkeit ist. Das Stück begann mit einer Einleitung durch die Drehleier, gespielt von Dan-Felix Müller. Nach der Eröffnungsmusik folgte der Gesang der Patriarchen und Propheten, dargestellt von Werner Hanauske, Hugo Nagel, Hubertus Protz, Ulrich Seeger (Friedberger Kantor) und Karlheinz Trebing. Deren Gesang wurde von den Virtutes, den 16 Tugenden beantwortet. Diese wurden dargestellt von Sabine Reinhard, einer begeisterten Mittelaltersängerin aus Gotha, Jutta Hahn, Juliane Ulrich, Birgit Malguth, Katharina Gündra, Ruth Knaf, Sybille Kern, Astrid Nagel, Christiane Schmidt , Luise Findeisen, Saskia Boiselle, Monika Bischoff, Meike Butt, Renate Bähr, Karin Hammel, Marie Schäfle und Inge Böckel. Die Solisten waren durchweg Sänger des evangelischen Kirchenchores und der Dekanatskantorei Büdingen, vier Sänger kamen aus der Friedberger Kantorei zur Unterstützung dazu. Mit selbstentworfenen Kostümen von Marie Schäfle waren die Ausführenden auch optisch bestens gerüstet. Die Zuhörer wurden also eingewoben in die herrlichen Melismen der 16 Tugenden und des beruhigenden Gesanges der Patriarchen. Das Blockflötenensemble, das von Gabi Torp, Gerhard Kosel, Peter Grün, Dorothea Preißer, Ute Bormann und Barbara Cleven gebildet wurde, stimmte ein erstes Zwischenspiel, begleitet von Benjamin Müller am Positiv, an. Nun war zum ersten Male die (noch) glückliche Seele, dargestellt von Daniela Brinkmann zu hören. Man war schon von den ewigen melodischen Bögen im Unisono vollkommen benebelt und verlor das Zeitgefühl, da sprang der leibhaftige Satan hinein, und war plötzlich wieder wach! Er war nämlich der einzige, der nicht sang. Er hätte nach mittelalterlicher Auffassung keinen gregorianischen Choral singen dürfen, da dieser Gott geweiht war. Bei "Quae est haec potestas, quod nullus sit praeter Deum?", zu deutsch: "Welche Macht kann behaupten, dass es niemanden gibt außer Gott?" war man also aufgerüttelt.
Man hätte ihn glatt für den Mephisto der Gründgens-Inszenierung halten können. Er wurde dargestellt von Markus Herrmann. Nachdem der Teufel die Seele ihres weißen Gewandes der Seligkeit entkleidet hatte, da sie sich erdreistete zu den Tugenden aufsteigen zu wollen, gingen beide zusammen ab. Die klanglichen Einwürfe des Glockenspiels von Johanna Klyne brachten ein wenig Abwechslung in das vokale Geschehen. Es folgte ein Kampf des Himmels, der mit unendlichen Melodien die Hölle zu Tode singen wollte.
Der Kampf zwischen Himmel und Hölle ging natürlich gut aus. Die reumütige Seele kehrte zu den Tugenden zurück und bat darum, zu ihnen aufsteigen zu dürfen, wozu sie aber deren Hilfe bräuchte, da sie alleine zu schwach sei. Die Tugenden richteten die Seele auf, der Teufel war sauer, da die Seele ihm nicht mehr recht folgen wollte und alles mündete in den wunderbar zelebrierten Epilog, der den klanglichen und musikalischen Höhepunkt des Stückes bildete.
Es zeigte sich, dass es mit viel Arbeit und viel Elan möglich ist, ein Konzert auf sehr hohem Niveau auf die Beine zu stellen, obwohl fast keine Berufsmusiker daran mitwirkten. Durch ihre besondere Affinität zur Musik Hildegard von Bingens gestaltete die Kantorin einen beeindruckenden Nachmittag. Hildegard sei ihr schon lange ans Herz gewachsen und einfach eine faszinierende Frau, schilderte Barbara Müller.
Die Thematik des "Ordo Virtutum" gelte unverändert seit 900 Jahren und nach zwei Mittelalterfesten mit mittelalterlichen Gesängen, Musik für Blockflöten und Krummhörnern sollte es jetzt ein geschlossenes Werk sein. Dass Hildegard von Bingen von der Musikwissenschaft kontrovers beurteilt würde, stelle für sie den eigentlichen Reiz dar, da sie so in der Interpretation freier sei.
"Lob von den Händlern wiegt doppelt" (Kreis-Anzeiger, 10.07.2007)
Durchweg positives Fazit nach drittem Mittelalterfest - Organisatoren, Teilnehmer und Besucher waren zufrieden
BÜDINGEN (jm). Die Verantwortlichen der Stadt, die vielen Ehrenamtlichen, die das Mittelalterfest vorbereiteten, und die Büdinger Bürger können sich freuen. Fast überall gab es ausschließlich Lob für die Organisation, das Ambiente und die Stimmung beim Fest. "Das passt zu Büdingen", war sich Marion Wulf aus dem Stadtteil Calbach sicher. Die Familie, alle mittelalterlich gewandet, kommt regelmäßig zum Mittelalterfest und findet das Event lohnens- und unterstützenswert. Zum ersten Mal besuchte Claudia Düll aus Frankfurt die Veranstaltung. Ihre dreijährige Tochter Christina war ganz begeistert von den Gauklern. "Das Programm für die Kinder ist sehr schön. Überhaupt ist alles so toll gemacht, mit so vielen Details", schwärmte die junge Frau. "Man merkt, dass die Bevölkerung mitmacht und versucht, das richtige Ambiente zu schaffen", ergänzte Martin Böhm, der als Medicus eine Ausstellung mittelalterlicher medizinischer Gerätschaften auf dem Meliorsdamm zeigte.
Lob von den Händlern wiegt doppelt, schließlich sind die meisten auf vielen Märkten in der ganzen Republik unterwegs. "Solche Dinge wie hier findet man selten. Die Stadt hat eine Kulisse, die kann man nicht besser machen", bestätigte Georg Graf aus Nabburg. Der Drechlser bereist seit Jahren Mittelaltermärkte und zeigte sich nicht nur vom Ambiente angetan. "Die Organisation ist sehr gelungen. Es gibt keine Stände, die nicht ins Mittelalter passen", fand Graf, der allerdings auch Vorschläge für Verbesserungen hatte: "Es gibt viele Überschneidungen. Allein hier sind auf 15 Metern drei Stände mit meinem Angebot. Das sollte man besser verteilen."
Kleinere organisatorische Malheurs störten wenig. So war für die Falknerei von Dunja Klimkeit trotz langer Anmeldung kein Platz auf dem Viehmarkt auf dem Altstadtparkplatz ausgewiesen. Den Vögeln wurden spontan Gehege auf dem Grünstreifen zugewiesen. "Diesen Platz hätte ich mir auch ausgesucht", zeigte sich die Falknerin zufrieden. Die Atmosphäre auf dem Markt begeisterte den Bogenbauer Alexander Fische aus Wien: "Die Leute sind so nett und der Markt ist wirklich sehr, sehr schön."
Auch die Organisatoren waren zufrieden mit dem Ablauf. "Es gab viel weniger Beschwerden von Altstadtbewohnern als vor zwei Jahren", berichtete Jürgen Kühnl vom städtischen Amt für Jugend, Kultur und Soziales. Natürlich ärgere sich der ein oder andere darüber, dass er drei Tage lang seine Wohnung nicht mit dem Auto erreichen könne und dann parkten fremde Autos in den Straßen. Viel Lob hatte er auch für die Händler, ein oft nicht ganz einfaches Völkchen, übrig. Die Solidarität sei größer und viele würden sich gegenseitig helfen. Nur der Pendelverkehr von Parkplätzen außerhalb der Stadt wurde nicht so gut angenommen, wie gedacht.
Interaktion der Geschichte und Kultur (Kreis-Anzeiger, 10.07.2007)
Kreis-Anzeiger-Umfrage unter gewandeten Festbesuchern - Kleidung von den Kelten bis ins späte Mittelalter
Jutta MartiniBÜDINGEN. Die Begeisterung für das Mittelalter ist ungebrochen. Tausende von Menschen besuchten das Mittelalterfest am Wochenende in Büdingen, hunderte zeigten als Händler, Handwerker und höfisches Gefolge das Leben von vor hunderten von Jahren. Was fasziniert Menschen an vergangenen Zeiten? Der Kreis-Anzeiger machte eine kleine Umfrage unter gewandeten Festbesuchern und Akteuren und fragte nach den Motiven, in die Kleidung vergangener Tage zu schlüpfen. "Die Klamotten sind schicker als heute, die Musik toller und das Essen besser", stellte der 13-jährige Kevin Hohlsdorfer aus Frankfurt fest. "Wenn man nicht gewandet ist, ist so ein Fest einfach anders", berichtete Katja Metzger aus Langenselbold. Die junge Frau, die als höfische Edeldame erschienen war, ist auch über die Kleidung hinaus vom Mittelalter fasziniert: "Ich finde es toll, was es damals schon alles gegeben hat und wie das Leben funktionierte." Die mittelalterliche Küche oder die Bauweise findet sie beeindruckend.
Seit der Gründung vor fünf Jahren sind Petra Axmann und Axel Friedersdorf aus Büdingen beim Beuringer Gassevolk aktiv. Im Lager der Gruppe im Hirschgraben wurde über offenem Feuer gekocht und Gäste eingeladen, an der langen Tafel zu speisen. "Es ist ein Ausbruch aus dem Alltag", so Friedersdorf. "Und die Kleider sind bequem", wirft Axmann ein. "Ja, man fühlt sich freier in der bequemen Kleidung", ergänzt Friedersdorf, der beim Beuringer Gassevolk als Amtsmann und Stadtwache auftritt. Bequeme Kleidung? Und was ist mit dem mehr als 25 Kilogramm schweren Kettenhemd? "Das ist Selbstkasteiung", so der Angesprochene lachend.
In einer Gruppe aktiv sind auch Michaele und Jürgen Datz. Der Licher Kriegerclan stellt Söldner aus der Zeit von 950 bis 1150 dar. "Es macht Spaß, mit der Gruppe unterwegs zu sein. Es ist wie eine große Familie. Man teilt die gleichen Interessen", schwärmte Jürgen Datz. "Während der Woche habe ich genug Stress. Da möchte ich am Wochenende einfach mal raus." Ist das Gewanden nicht auch ein bisschen wie das Verkleiden an Fastnacht? "Klar", gab Datz zu. "Aber Fasching ist einmal im Jahr. Mittelalterevents sind jedes Wochenende."
Ganz akribisch hat Stefan Hummel seine Gewandung zusammengestellt. Der Nürnberger, der extra zum Mittelalterfest nach Büdingen gereist ist, stellt einen Einwohner von Kiew um das Jahr 1100 dar. "Es macht Spaß, sich in eine Zeitepoche hineinzuversetzen" bekennt Hummel. Seine Ausstattung ist nicht nach Lust und Laune, sondern nach archäologischen Funden zusammengestellt. Schuhe, Schmuck, Gürtelschnalle - "Ich trage nichts, was nicht durch Funde belegt ist."
Mit seiner Kriegsbemalung und dem abgeschlagenen (Pappmaché)-Kopf auf einer Stange erregt Kelley Wright sogar bei diesem Fest der Verkleidungen Aufmerksamkeit. Zusammen mit Ehefrau Kathrin mimt Wright einen Kelten. "Man kann viel lernen, wie es früher war", sagt der Geschichtsstudent. Zum Beispiel, wie sich Wolle im Sommer trägt. "Kein Mensch käme auf die Idee, bei diesem Wetter Wolle zu tragen. Aber früher war das so. Und so warm ist es gar nicht. Die Wolle lässt die Luft durch", erzählte Wright.
Der Amerikaner schlüpft gern in Rollen und springt dabei durch die Jahrhunderte. "In Europa gibt es so unendlich viel Geschichte", schwärmte Wright. Für ihn sind die Rollenspiele eine Interaktion mit der Geschichte und der Kultur.
Jonglage, Tribaltanz und Trommeln (Kreis-Anzeiger, 10.07.2007)
Fackelzug und Feuershow nach Einbruch der Dunkelheit - Sünder an den Pranger
BÜDINGEN (jm). Feuer spielte beim diesjährigen Mittelalterfest eine besondere Rolle. Feuer war im Mittelalter gefürchtet und geliebt. Es spendete Wärme und wurde zum Heizen und Kochen benötigt. Gleichzeitig stellte es eine große Bedrohung dar, denn die nicht seltenen Feuersbrünste wirkten in den dicht bebauten Städten verheerend.
Der Faszination des Feuers erlagen am Samstagabend hunderte von Festbesuchern beim Fackelzug und der Feuershow. Angeführt von der Drumband zogen mittelalterlich gekleidete Fackelträger und -trägerinnen durch die Vorstadt, Neustadt, Altstadt und die Schlossgasse zum Schlossplatz. Ein besonderer und seltener Anblick bot sich den Gästen aus Richtung Vorstadt kommend auf das Jerusalemer Tor, auf dem Fackeln weithin ihren Lichtschein verbreiteten.
Während der "Stunde des Feuers" Auf dem Damm saßen und standen die Festgäste dicht gedrängt. Viele "Ahs" und "Ohs" waren bei der Jonglage mit Feuerfackeln der Gaukler Pill und Pankratz, dem orientalischen Tribaltanz von Hadarah, Kamesb und Wahiba, der Showeinlage der Gruppe Feuerwirbel des Mittelaltervereins und den "Höllischen Impressionen" der Froggers zu hören.
Offene Feuer im Ritterlager und die Öfen der Bäcker zeigten die nutzbringende Wirkung des Feuers. Auch die Schmiede konnten auf die Glut nicht verzichten, mit der das Metall formbar gemacht wurde. Doch außerhalb der erlaubten Grenzen zog der Umgang mit Feuer harte Strafen nach sich. So war es in Büdingen streng verboten, Brot zu backen, wegen der Gefahr, die von unsachgemäß betriebenen Backöfen ausging. Doch nicht wenige Bürger taten dies trotzdem und mussten sich nicht selten dafür vor der Obrigkeit verantworten, wie der Bürger (Tim Strehm), der beim Mittelalterfest auf dem Marktplatz nicht nur seinen eigenen Backofen einheizte, sondern auch baute.
Verraten vom Rauch stürmten sobald Amtsvogt (Markus Karger) und Stadtbüttel (Erwin Gerth) herbei, packten den Unglücklichen und schleiften ihn zum Pranger. Da half alles Jammern, Klagen und Rechtfertigen nichts. Auf inständige Fürbitten der besorgten Ehefrau ließ der Amtsvogt schließlich Gnade vor Recht ergehen, zumindest im Spiel, und der Bürger konnte wieder zurück - bis zum nächsten Einsatz.
Fest-Splitter (Kreis-Anzeiger, 10.07.2007)
Die Sanitäter des Roten Kreuzes hatten beim Mittelalterfest einen ruhigen Job. Einmal aber hatten sie einen größeren Einsatz. Unübersehbar trug Jules August Schröder, der als Ratsherr beim Mittelalterfest Gäste zu markanten Punkten der Stadt führte, einen dicken Verband um seine rechte Hand. Schröder hatte sich zum Schutz vor mittelalterlichen Räubern ein Schwert gekauft - keine stumpfe Waffe, wie sich schnell zeigte. Die Klinge war so scharf, dass sich der Ratsherr tief in den Finger schnitt. Der Rote-Kreuz-Stützpunkt auf dem Marktplatz versorgte die Wunde, doch anschließend musste Schröder ins Krankenhaus. Dort wurde die Wunde genäht.
Es passiert eher selten, dass man mehr bekommt als man bestellt hat. Beim Mittelalterfest war es aber mehrmals der Fall. Nicht nur, dass für den Viehmarkt ein Kamel mehr als angekündigt anreiste, auch bei den Künstlern gab es eine wundersame Vermehrung. Ganz spontan traten Theatergruppen, Feuerschlucker und Musiker auf. Darunter auch die Gruppe "Luxuria Auris" aus Gelnhausen. Die drei jungen Musiker spielten an verschiedenen Orten, sehr zur Freude der Zuhörer. Das nennt man praktische Nachbarschaftshilfe.
Abfall ist immer ein heikles Thema bei so großen Veranstaltungen wie dem Mittelalterfest. Um einer Abfallflut entgegenzuwirken, hatten sich viele Betreiber von Essensständen einiges einfallen lassen. Da wurde das Gericht in Brot verpackt oder im Teig versteckt. Sehr ansehnlich und originell waren auch die Kohlblätter, in denen ein Händler seine Reisgerichte servierte. Zumindest war in diesen Fällen der Abfall zu hundert Prozent biologisch abbaubar.
Die Vereinsvertreter an den Eintrittskassen mussten Höchstleistungen erbringen. Zu manchen Zeiten schienen sich schier endlose Schlangen an den Tischen vorbeizuwinden. Das dritte Mittelalterfest dürfte mit einem neuen Besucherrekord aufwarten. Alle 20 000 Eintrittskarten wurden an die Kassen ausgegeben, berichtete Jürgen Kühnl, Verantwortlicher der Stadt für die Organisation des Festes. Ob auch alle wirklich verkauft wurden, steht noch nicht fest. Eine beeindruckende Zahl dürfte auf jeden Fall zusammenkommen. (jm)
Langlebige Körbe kontra Konsum (Kreis-Anzeiger, 10.07.2007)
Korbflechter, Kerzenzieherin und Schönfärberin präsentierten alte Handwerkskünste
BÜDINGEN (jm). Mit 82 Jahren war Karl Schmidt einer der ältesten aktiven Teilnehmer des Mittelalterfestes. Zusammen mit Ehefrau Maria saß der Birsteiner am Rand des Viehmarktes und flocht Körbe. "Das kann ich schon seit meinem zehnten Lebensjahr", berichtete Schmidt. Früher wurden nur Körbe für die Familie hergestellt, seit Schmidt Rentner ist, besucht er auch Märkte, um das alte Handwerk, das früher fast jeder konnte, zu zeigen.
Schmidt macht alles selber. Selbst die Weiden, die er für seine Körbe verwendet, sind im eigenen Garten gezogen. Geschickt entstehen aus den langen Weidenruten Behältnisse verschiedener Größe, die der Rentner auch zum Verkauf anbietet. Um´s Geldverdienen geht es dem Ehepaar aber nicht. "Umgerechnet kommt ein Stundenlohn von nicht mehr als zwei bis drei Euro heraus", rechnete Schmidt vor. Vielmehr reizt ihn der Kontakt mit den Besuchern; anderen Menschen sein Handwerk vorzustellen, über vergangene Zeiten zu sprechen. Ja, früher wurden noch Möbel hergestellt, die Generationen hielten. Heute ist alles schnelllebiger, auf Verbrauch ausgerichtet. Das sei auch das Manko seiner Tätigkeit. "Meine Körbe halten einfach zu lange", lächelte Schmidt. Im Gegensatz zur Konsumware aus dem Kaufhaus seien handgeflochtene Körbe eben Qualitätsware.
Schmidt war einer von 31 Handwerkern, die beim Mittelalterfest ihre Kunst demonstrierten. Steinmetze, Filzmacher, Schmiede, Laternenmacher, Bogenbauer, Drechsler, Kalligraphen und viele mehr zeigten vor oft dicht belagerten Ständen, wie in früheren Zeiten gearbeitet wurde. Manche Vorführung wurde dabei zur Geschichtsstunde.
So erzählte Diane Lenz, dass Kerzenzieher früher ein sehr angesehener Berufsstand gewesen sei. "Kerzenzieher waren reiche Leute", so Lenz. "Ein Pfund Bienenwachs kostete zehnmal mehr als ein Pfund Fleisch." Kerzen, so wie wir sie heute kennen, wurden nur in Kirchen, Fürsten- und Königshäusern verwendet. Das gemeine Volk verbrannte Talg, Geduldig tauchte Lenz die Dochte in das geschmolzene Bienenwachs. Langsam wuchs Schicht um Schicht eine Kerze. "Das hat etwas Meditatives an sich", berichtete die Handwerkerin und wer ihr zuschaute, verstand das sofort. Für eine einfache Stabkerze seien etwa 80 Tauchungen notwendig, erklärte Lenz. Für die schöneren gedrehten Kerzen sogar zwischen 150 und 180. Nichts für Ungeduldige also, das Kerzenziehen.
Im Kessel der Schönfärberin Sabine Hüter aus Steinau köchelte ein rötliches Gebräu. Die Wurzel der unscheinbaren Pflanze Krapp, die in einem Topf vor dem Kessel als Anschauungsobjekt stand, ist einer der ältesten Farbstoffe, mit dem über Jahrhunderte hinweg Wolle und Stoffe gefärbt wurde. Zermahlen und aufgekocht ergibt die Wurzel eine sattrote Farbe. "Unter Karl dem Großen wurde Krapp auf riesigen Feldern angebaut", berichtete Hüter den Besuchern, die interessiert zusahen, wie sich im Kessel ein Stück weißen Stoffes rot färbte. Auch viele weitere Farbtöne sind mit Naturfarben möglich. Auf dem Tisch von Hüter lagen Stoffe in gelb, blau, orange und grün, alle mit Naturfarben gefärbt. Der Krapp wurde übrigens im 19. Jahrhundert als einer der ersten Farbstoffe durch das künstlich hergestellte Alizarin abgelöst.
Huldvoll grüßte Graf Ludwig vorüberziehendes Volk (Kreis-Anzeiger, 09.07.2007)
Büdingens Mittelalterfest als Ereignis für alle Generationen - Faszinierendes Treiben in den Gassen der historischen Stadt zog zahllose Besucher an
BÜDINGEN (jm). Der fünfjährige Eric aus Rommelhausen weiß ganz genau, was er später einmal werden will: Ritter, so wie Rüdiger Lindemann und Nils Hansen, die als freie Ritter, bekleidet mit Kettenhemd, Helm und Schwert, durch Büdingen streifen. Die Taunussteiner haben im Internet vom Mittelalterfest erfahren und sind schon kurz nach ihrem Eintreffen äußerst angetan von der herrlichen Kulisse des historischen Stadtkerns und der Stimmung in den Gassen. Auf allen Plätzen und in den Straßen Stände und Vorführungen, die inmitten der authentischen Kulisse das Leben im Mittelalter erfahrbar werden lassen. Das dritte Mittelalterfest entpuppte sich auch in diesem Jahr wieder als Publikumsmagnet. Während beider Festtage bevölkerten hunderte von Gästen, viele in mittelalterlichen Gewandungen, die Straßen und Gässchen der Altstadt. Mit dem Einzug der Marktbesucher, Handwerker, Händler, Ritter und Adligen am Samstagnachmittag begann das Fest. Huldvoll grüßten Graf Ludwig II. und Gattin vom Podest auf dem Marktplatz das vorüberziehende Volk. Ritter hoch zu Ross und schwer bewaffnet zu Fuß, Adel und einfache Bauern und Bürger aus Nah und Fern wurden auch von Erstem Stadtrat Manfred Hix willkommen geheißen. Umzüge sind feste Bestandteile des mittelalterlichen Events. Hunderte von Menschen säumten am späten Samstagabend die Straßen, als ein Fackelzug über Vorstadt, Neustadt und Schlossgasse zog. Auch auf dem Damm drängten sich zur späten Stunde noch die Gäste, die die bezaubernde Feuershow verfolgten. Am Sonntag waren unzählige Besucher beim Einmarsch der Hardecker Sippe dabei, begrüßt von Bürgermeister Erich Spamer. Mit Kind und Kegel und jeder Menge Tiere sorgte die Calbacher Gruppe wieder für Aufsehen. Beim Begriff Mittelalter denken die meisten zuerst an Ritter und edle Burgfräulein. So war das Ritterlager vor den Toren der Altstadt eine der Attraktionen. Zu sehen gab es dort reichlich. Immerhin hatten 17 Ritter- und Keltengruppen ihre Zelte aufgeschlagen. Im abgesteckten Turnierfeld der Society for Creative Anachronism (SCA) bestritten in Rüstungen gekleidete Männer spannende Turniere und nicht nur die Jüngsten waren fasziniert von den eleganten Bewegungen, mit denen die Schwerbewaffneten versuchten, ihre Gegner zu besiegen. Nachwuchsritter, wie die siebenjährigen Jonas und Luke, eiferten derweil schon einmal mit Holzschwertern ihren großen Vorbildern nach. Über offenen Feuerstellen dampfte es appetitanregend. Das Beuringer Gassevolk lud ein zu Gulaschsuppe aus dem großen Kessel. Doch es ging nicht nur um höfisches Leben beim Mittelalterfest. Das Motto lautete "Handwerk, Ackerbau und Handel". Und so ging es im Lager der Rückinger Volkes beschaulicher zu. Die Mittelaltergruppe aus Erlensee zeigt das Leben des einfachen Volkes und pflegt alte Handwerkstechniken. Vor den Zelten wurde genäht, gewebt und Holzarbeiten gemacht. Der Gruppe gefällt es in Büdingen. "Wir sind schon zum fünften Mal hier. Wir gehören schon zum Inventar", lachte Georg Paulus. Das Mittelalterfest zeigte sich wieder einmal als ein Fest für alle Generationen. Vor allem für Kinder gab es viel zu sehen. War es vor wenigen Jahrzehnten noch selbstverständlich, den Herstellungsprozess von Waren und Speisen zu kennen, ist dieses Wissem im Zeitalter von Supermärkten und Tiefkühlfertiggerichten zusehens geschwunden. Wie aus Leder Schuhe werden, wie Fladenbrot gebacken wird und sogar wie ein richtiger Lehmbackofen gebaut wird, faszinierte. Manchmal wäre es aber besser gewesen, den Kleinen die Ohren zuzuhalten, denn die Sprache im Mittelalter war derb. So rief der Herold zum Puppentheater nicht nur "hurtig, hurtig, Kinder", sondern er ermahnte auch: "Und bringt das alte Pack auch mit." Auch bei den Spielszenen waren die Akteure nicht zimperlich. Mit Hellebarden und Geschrei verfolgten die Stadtbüttel Unruhestifter und der ein oder andere landete auch am Pranger, dem Gespött der Vorübergehenden ausgesetzt. Schönes und Nützliches boten die vielen fliegenden Händler feil. Von kompletten Ritterausrüstungen über Gewandungen, Schmuck, Töpferwaren und Met bis zu Nippesfigürchen reichte das Angebot. Auch kulinarisch ließ sich das Mittelalter mit belegten Fladen, vegetarischen Reisgerichten oder deftigen Fleischspießen bestens genießen.
Drittes Mittelalterfest mit langer Einkaufsnacht (Kreis-Anzeiger, 07.07.2007)
Abwechslungsreiches Programm beginnt heute Mittag
BÜDINGEN (jm). Am Wochenende kehrt Büdingen zurück in die Vergangenheit. Auf den Plätzen und in den Gassen wird Handel und Wandel des Mittelalters lebendig. Im Mittelpunkt steht dabei in diesem Jahr das Leben der einfachen Leute, der Handwerker, Händler und Ackerbauern.
Das dritte Mittelalterfest verspricht mit seinem vielseitigen Programm ein Fest der Superlative zu werden. Hunderte von Bürgern beteiligen sich an den Umzügen und den Schaukampfturnieren, unterhalten die Gäste mit Musik und Tanz oder wandeln als Bauern, Mägde und Knechte über die Märkte. Eröffnet wird das Fest mit dem Einzug der Marktbesucher, Handwerker, Händler, Ritter und Adligen durch das Jerusalemer Tor heute um 14 Uhr. Erster Stadtrat Manfred Hix und Lehnsherr Ludwig II samt Gefolge begrüßen die vorbeiziehenden Gruppen auf dem Marktplatz. Im Handwerkerdorf im Oberhof und in der ganzen Stadt verteilt zeigen mehr als 50 Handwerker, darunter Besenbinder, Steinmetze, Küfer, Glasbläser und Schmiede, wie beschwerlich die Arbeit in vergangenen Jahrhunderten war. Vor den Toren der Stadt, im Hirschgraben und am Meliorsdamm, lagern an beiden Festtagen Rittergruppen. Mit Schaukampfturnieren wird hier höfisches Leben lebendig.
Büdingen war schon im Mittelalter eine Marktstadt. Das zeigt sich auch beim Mittelalterfest. Einheimische Bauern und reisende Händler bieten eine Vielzahl an Waren feil. Auf dem Altstadtparkplatz sind ein Viehmarkt und ein Waldarbeiterlager eingerichtet. Gaukler, Spielleute, der Medicus, der Taugenichts, orientalische Händler mir zwei Kamelen, die Stadtbüttel und weiteres Volk sind in den Gassen unterwegs. An beiden Tagen zeigen um 15.30 Uhr Büdinger Ratsherren den Gästen die schönsten Orte der Stadt.
Auf drei Bühnen wird ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm angeboten. In der Markthalle auf dem Marktplatz, auf dem Schlossplatz und auf dem Viehmarkt werden im Halbstundentakt Theaterszenen, mittelalterliche Tänze, Musik und Akrobatik aufgeführt. Ein eigenes Programm für Kinder gibt am Oberhof. Mäusetheater, Bogenschießen, Magier, Kinder-Ritterturniere und vieles mehr warten auf die jungen Festbesucher. Ein Ort der Stille im hektischen Treiben ist die Marienkirche. Kirche und Annenchor sind an beiden Festtagen für Besucher geöffnet. Am Sonntag um 17 Uhr ist hier das Singspiel "Ordo virtutum - Das Spiel der Kräfte" von Hildegard von Bingen zu hören. Höhepunkt am Samstag ist große Feuerzug durch die Stadt. Ab 22 Uhr ziehen Fackelträger vom Jerusalemer Tor zum Schlossplatz, wo die Stunde des Feuers mit Akrobatik, Tanz, Musik und Trommelwirbel gefeiert wird.
Am Sonntag besuchen alte Bekannte das mittelalterliche Büdingen. Die Hardecker Sippe von der benachbarten Burg Hardeck zieht um 14 Uhr mit allerlei Vieh und Gewandeten in die Stadt ein. Schon eine Stunde vorher, ab 13 Uhr, bietet Bürgermeister Erich Spamer im Gasthaus "Bleffe" eine Bürgersprechstunde an. Zum Abschluss des Festes sind alle zum Tavernenspiel auf dem Schlossplatz eingeladen. Das Mittelalterfest beginnt am Samstag, 7. Juli, um 13 Uhr und endet um 24 Uhr. Ab 21 Uhr laden die Büdinger Geschäfte zur Einkaufsnacht ein. Am Sonntag wird von 11 bis 19 Uhr gefeiert. Erwachsene bezahlen vier Euro Eintritt, Kinder und Jugendliche zwei Euro. Kinder bis zu einem Schwertmaß von 1,38 Meter sind frei.
Mittelalter feiert seine Urständ´(Kreis-Anzeiger, 05.07.2007)
BÜDINGEN (KA). Um Handwerk, Ackerbau und Handel im mittelalterlichen Büdingen dreht sich das diesjährige, von langer Hand vorbereitete Mittelalterfest am kommenden Samstag und Sonntag.
Den Besuchern wird viel geboten: 17 Gruppen "belagern" die Festungsmauern, 36 Stände mit Speis und Trank versorgen Gäste aus nah und fern, 85 Händler bieten ihre Waren feil, 31 Handwerker zeigen ihr Können und die Gruppen "Scharlatan", "Musica Canora", und "Wildwuchs" sowie Felix der Pfeifer, der Chor Allegro und Andra, der Barde, spielen auf.
Für Unterhaltung sorgen die Gaukler Habakuk und Rasputin, Pill & Pankratz, das "Duo Confusi", Cyrano, Tunichtgut und Taugenichts, Bernd Haupt und Beni sowie das "Projekt Smoerebroed" und viele andere mehr.
Hexe Lamia und Tania Dringelstein sehen für die Gäste in die Zukunft, und den kleinen Besuchern wird ein Kinderprogramm mit der Gruppe "Wildwuchs" geboten. Dazu gehören ein Kinder-Ritterturnier, Bogenschießen und Axtwerfen. Ein Magier tritt auf, und auch Puppenspieler zeigen ihre Kunst. Dann gibt es an den beiden Tagen noch Tänze, Kamele, ein Greifvogel-Showprogramm und, und, und...
Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, für Gewandete, Kinder und Jugendliche zwei Euro. Kinder bis zu einem "Schwertmaß" von 1,38 Meter sind frei.
Sonderausstellung im Heuson-Museum (Kreis-Anzeiger, 05.07.2007)
BÜDINGEN (V). Pünktlich zum Mittelalterfest am 7. und 8. Juli öffnet am heutigen Donnerstag, 5. Juli, die neue Sonderausstellung "Büdingen im späten Mittelalter - Handel und Handwerk" im Heuson-Museum im Rathaus. Es handelt sich um Ausstellungsstücke aus den Sammlungen des Büdinger Geschichtsvereins. Die Schau läuft bis Dezember. Auf der Basis wissenschaftlicher Forschungen und ihrer Ergebnisse werden in Vitrinen Modelle der historischen Stadt und der Karlspforte, bildliche und textliche Darstellungen des Handwerks der Maurer, Steinmetze, Zimmerer, Töpfer, Köche, Gastwirte, Böttcher, Schneider, Winzer und Schreiber gezeigt. An Stellwänden sind Ansichten "Alt-Büdingens" und Illustrationen zu Handwerk und Handel des späten Mittelalters zu sehen.
Unterhaltsame Zeitreise in die mittelalterliche Welt (Kreis-Anzeiger, 05.07.2007)
Historische Bauern, Händler und Handwerker zeigen, wie sie früher lebten
BÜDINGEN (ia). Alle zwei Jahre kehrt die Stadt Büdingen ins Mittelalter zurück. Hunderte von Bürgern beteiligen sich auch dieses Jahr an den Feiern, die am 7. und 8. Juli während des Mittelalterfestes den bürgerlichen Alltag zeigen. Handwerk, Ackerbau und Handel bestimmten das Leben in der mittelalterlichen Stadt stärker als Ritter, Turniere und Edelleute. Daher werden während der Mittelalter-Tage in Büdingen diverse Facetten des mittelalterlichen Lebens unter diesen drei Aspekten thematisch besonders deutlich hervorgehoben.
Während des historischen Spektakels, das vom Magistrat der Stadt Büdingen veranstaltet wird, sind über 320 Akteure im Einsatz. Mittelalterliches Leben wird auf vier Bühnen und drei Aktionsplätzen präsentiert. In den Gassen und im Handwerkerdorf sind über 50 Handwerker vor Ort. Lebendiges Mittelalter wird an über 100 Händlerständen geboten.
21 Rittergruppen sind im Einsatz, und zusätzlich können ein Ochse, zwei Kamele, Greifvögel und viele andere Tiere auf dem Viehmarkt bestaunt werden. Innerhalb der historischen Festungsstadt werden vier Umzüge stattfinden.
Als mittelalterliche Stadt und Marktstadt wird sich Büdingen bereits am Samstag, 7. Juli, von 13 bis 24 Uhr präsentieren. Am Sonntag, 8. Juli, wird von elf bis 19 Uhr ein umfangreiches Programm geboten. Die Besucher dürfen sich auf vielfältige Aktivitäten freuen, wie historische Theaterszenen auf Plätzen, Unterhaltung mit den Musikanten und Gruppen "Wildwuchs", "Musica Canora", "Scharlatan & Nachtwindheim", der mittelalterlichen Trommelgruppe der Drumband, dem Chor "Allegro" oder den "Spielleut" der Büdinger Feuerwehr.
Das Programm für Kinder sieht Gaukler, Zauberer und Tanzgruppen vor, wie "Pill und Pankratz" oder das "Duo Confusi" und viele andere. Vorgesehen sind auch ein Ritterturnier und Theater zum Mitmachen, ein Puppenspiel, Mäusetheater, Brett- und Marionettenspiel, Bogenschießen, Aufführungen der Kindertanzgruppe "Waldwichtel" und Erzählungen über das Leben in der Stadt und im Schloss. Ein Viehmarkt und ein Waldarbeiterlager werden authentisch dargestellt.
Am Sonntag um 14 Uhr findet ein Umzug der Bauern, Handwerker und Händler statt. Als Pendant gibt es am Samstag um 22 Uhr einen feurigen Umzug zur Nacht. Vor den Festungstoren wird ein Ritter- und Trosslager zum Schauen und Staunen einladen.
Während der mittelalterlichen Markttafel im Oberhof am 6. Juli von 19 bis 21.30 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr) können 80 Gäste mit dem Verein "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" eine kulinarische Reise in die Vergangenheit erleben.
Gewandete Bedienstete servieren mittelalterliche Speisen nach überlieferten Rezepten. Dabei werden die Gäste von Gauklern und Musikern unterhalten. Der Kostenbeitrag für Speisen und Getränke beträgt 39 Euro pro Person. Informationen dazu gibt es über: info@mittelalter-buedingen.de. Die Eintrittspreise für das Mittelalterfest betragen vier Euro für Erwachsene, zwei Euro für Gewandete, Kinder und Jugendliche. Kinder bis zu einem Schwertmaß von 1,38 Meter sind frei! Viele weitere Infos gibt es unter: www.mittelalterfest-buedingen.de
Anlässlich des Mittelalterfestes laden die Büdinger Fachgeschäfte übrigens zur beliebten Einkaufsnacht ein. Von 20 bis 24 Uhr warten am Samstag allerlei Schnäppchen und Aktionen auf die Kunden. Manche Geschäfte sind sogar durchgängig von morgens bis Mitternacht geöffnet. Hereinschauen lohnt sich!
Keine Schau, sondern blutiger Ernst (Kreis-Anzeiger, 04.07.2007)
Aktive der Grafschaft "Shire of Meadowmarsh" nehmen am Mittelalterfest teil - Lager und Kämpfe im Hirschgraben
Jutta MartiniBÜDINGEN. Wenn am kommenden Wochenende das große Mittelalterfest in Büdingen stattfindet, gehören die Ritterlager zu den Attraktionen. 21 Rittergruppen mit mehr als 150 Personen werden im Hirschgraben, am großen Bollwerk und am Meliorsdamm ihre Zelte aufbauen und mittelalterliches Lagerleben zeigen. Mit dabei sind die Aktiven der Grafschaft "Shire of Meadowmarsh" der weltweit organisierten Society for Creative Anachronism (SCA). 16 Zelte, drei Sonnensegel und rund 30 Personen sind für das Event angemeldet. Den Lagerplatz am Hirschgraben teilen sich die Mitglieder der SCA mit einem Keltenvolk aus Worms, das die Zeit darstellt, als die Kelten am Glauberg lebten. Die SCA wurde 1966 in Kalifornien gegründet und deckt die Zeitspanne von 600 bis 1600 ab. Den Zeitraum sehen die Mitglieder als Vorteil. Jeder kann sich aus dem großen Spektrum die Figur aussuchen, die ihm am meisten zusagt. "Das sieht manchmal schon lustig aus, wenn Wikinger mit elisabethanischen Edelfräulein tanzen", erzählt Peter von Duernten, de rmit bürgerlichem Namen Peter Hotz heißt.
Die Amerikaner nahmen es mit der historischen Authenzität nicht so genau, Spaß und Freude an der Verkleidung standen im Vordergrund. Das brachte der SCA viel Kritik und Häme ein. Lange Zeit war die Organisation als Sonnenbrillen-, Jogginghosen- und Plastikflaschenträger verschrieen. Zumindest in Europa hat sich das mittlerweile gewandelt. Hier wird mehr Wert auf historische Genauigkeit gelegt, Uhren und Sonnenbrillen beispielsweise sind tabu.
Nur bei den Schuhen im Kampf werden Kompromisse gemacht. "Sicherheit geht vor, denn unsere Kämpfe sind keine Schau, sondern blutiger Ernst", berichtet der Büdinger. Es gibt bei der SCA keine choreografisch abgesprochenen, sondern nur freie Kämpfe. Statt mittelalterlichen Schuhen mit Ledersohlen ist deshalb festes Schuhwerk mit Profilsohle vorgeschrieben.
Um das Verletzungsrisiko zu mininmieren, wird mit Rattanwaffen gekämpft, deren Gewicht allerdings dem echter Waffen entspricht. Die Florette zum Fechten wiegen etwa ein Kilogramm, die Paukklingen für den Schwertkampf sind viel schwerer. Entsprechend geschützt müssen die Kämpfer sein. Vorgeschrieben sind Kopf-, Brust- und Tiefschutz. Ob ein Kämpfer eine dicke Lederrüstung, gotische Plattenpanzer oder einen Metallvollharnisch wählt, bleibt ihm selbst überlassen. Ein zusätzliches Gewicht von 35 Kilogramm aufwärts hat er auf jeden Fall zu tragen. Für den Kampf mit schweren Waffen ist ein Mindesalter von 18 Jahren vorgeschrieben sowie eine Authorisierung bei der der Aspirant unter anderem seine Kenntnisse der Sicherheitsbestimmungen unter Beweis stellen muss.
Auch seinen Vereinsnamen kann sich jedes Mitglied selbst aussuchen, allerdings muss dieser historisch nachweisbar sein. Peter von Duernten, Rudolfus Heidenreich (Gunnar Brauer) und Konrad von Schillberg (Thomas Brack) wurden genehmigt. Reale historische Personen sollten bei der Namensgebung tabu sein. "Das kann schnell peinlich werden", weiß Hotz. "Ich habe schon Leute getroffen, die die historische Person überhaupt nicht kannten oder sie einer völlig falschen Zeit zuordneten. Man sollte schon wissen, in welcher Epoche man sich bewegt."
Schon am kommenden Freitag, 6. Juli, werden die SCA-Mitglieder des "Shire of Meadowmarsh" in Erscheinung treten. Sie helfen beim mittelalterlichen Festgelage und der Chor des Vereins wird die Gäste unterhalten. Samstag, 7. Juli, und Sonntag, 8. Juli, stehen Lagerleben und Turnierkämpfe im Mittelpunkt. Am Lagerplatz im Hirschgraben finden an beiden Tage Aktionen zum mittelalterlichen Leben wie Tänze, Hofhaltung und Kochen eines mehrgängigen Menüs über einer offenen Feuerstelle statt.
Turniere sind am Samstag im Anschluss an die Markteröffnung, um 18 und um 21 Uhr. Sonntags kämpfen die Ritter um 15 Uhr. Die Turniere dauern etwa eine Stunde.
Barfuß, in Filzstiefeln und Wollschuhen (Kreis-Anzeiger, 28.06.2007)
Hardecker Sippe nimmt am Mittelalterfest teil - Gruppe ruft Besiedelung der einstigen Waldburg in Erinnerung
Monika EichenauerCALBACH. Die Hardecker Sippe wird sich auch in diesem Jahr wieder mit Kind und Kegel und sogar mit allerlei Getier am Umzug des Büdinger Mittelalterfestes beteiligen. So wird sie am Sonntag, 8. Juli, Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Esel, Gänse, Enten, Hühner, Hasen und Tauben nach Büdingen führen. "Das ist schon eine besondere Herausforderung und ein großer Aufwand. Die Tiere brauchen unsere ganze Aufmerksamkeit, um sie zusammen zu halten", erklärt Waldemar Bähr, der die Gruppe mit anderen Mittelalterfreunden aus Calbach und Düdelsheim ins Leben rief, im Vorfeld der Großveranstaltung.
Bereits im Jahre 2003 sorgte die Sippe beim großen Mittelalterfest für Furore, weil sie nicht nur authentisch historisch gewandet, sondern mit vielen Tieren angerückt war. Das bunte Völkchen hat sich in Calbach um die Familien von Waldemar Bähr, ein nach Düdelsheim verheirateter Calbacher, und seinen Bruders Dittmar Bähr zusammengetan. Beide verfolgten das Ziel, die Hardecker Sippe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Zum historischen Hintergrund: Die Hardeck, eine 296 Meter hohe Erhebung südwestlich von Büdingen zwischen den Dörfern Diebach am Haag, Lorbach, Orleshausen und Calbach gelegen, lag an der alten Handelsverbindung, der Reffenstraße. Vor über 2000 Jahren war sie eine keltische Siedlung, war Sonnenheiligtum und Kultstätte, wie Waldemar Bähr mitteilt, im Mittelalter stand hier eine Waldburg. Der Geschichtsbegeisterte, dem die Historie seiner Heimat am Herzen liegt, berichtet, dass die Hardeck archäologisch noch nicht erforscht sei. "Schriftlich belegt aus dem Mittelalter ist jedoch, dass ein Graf Dietmar der Hardeck im Jahre 1108 Ländereien zur Gründung des Klosters Selbold stiftet", so Bähr. "Um 1400 wohnten noch etwa 35 Leute auf der Burg. Letzter Verwalter war Amtmann Riedesel, der um diese Zeit nach Büdingen auf den Junkernhof umzog. Unsere Hardecker Sippe trägt wie das historische Vorbild den Hardecker Löwen im Wappen, der die Ahnensippe des Büdinger Landes zusammenhält, denn viele der Hardecker waren mit Büdinger Familien verwandt." Die Gruppe bezieht sich auf die Zeit zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert, die Zeit der Herren von Büdingen. Sie gründete sich spontan zu den großen Jubiläumsfesten "650 Jahre Freiheitsrechte" und 500 Jahre Untertor im Jahr 2003.
Die Gruppe der gestandenen Männer und Frauen und einiger Kinder freut sich schon auf den Umzug. Sie sind darauf bedacht, dass bis auf das viel zitierte "I-Tüpfelchen" alles an ihrer Gewandung stimmt. Barfuß, in Filzstiefeln und Wollschuhen kommen sie daher. Die Kleider haben sie sich unter Anleitung von Ute Kaiser, der Fachfrau für mittelalterliche Gewandung in Büdingen, selbst geschneidert. Gutgelaunt schlüpfen sie richtig in die Rolle der Menschen, die sie darstellen. Sie setzen sich dafür ein, dass die Zeit, als die Hardeck, also ihre unmittelbare heimatliche Anhöhe, noch besiedelt war, nicht vergessen wird. "Wir rücken unter anderem auch deswegen mit den Tieren an, weil wir deutlich vor Augen führen wollen, wie es wirklich war", merkt Bähr an.
Der Steinbrucharbeiter als "Opferknecht" (Kreis-Anzeiger, 21.06.2007)
Historiker und ehemaliger Schlossarchivar beleuchtet vor dem Mittelalterfest die Rolle des Handwerks in der Stadt
Jutta MartiniBÜDINGEN. Das diesjährige Mittelalterfest steht unter dem Motto "Handwerk, Ackerbau und Handel im mittelalterlichen Büdingen". Hunderte von Handwerkern, Händlern und Gewandeten werden am 7. und 8. Juli frühere Zeiten in Büdingen wiederaufstehen lassen und versuchen, einen möglichst authentischen Eindruck dieser Zeit zu vermitteln. Wie sah es in Büdingen im Mittelalter tatsächlich aus, welche Handwerker gab es und woher weiß man das? Über diese Fragen sprach der Kreis-Anzeiger mit dem Historiker Dr. Klaus Peter Decker, der über Jahrzehnte das Schlossarchiv der Fürsten von Ysenburg und Büdingen verwaltete.
Herr Dr. Decker, wie muss man sich Büdingen im Mittelalter vorstellen? Decker: Büdingen war im Mittelalter eine kleine Siedlung, die für eine Marktstadt schlechte Voraussetzungen hatte. Die Stadt lag an keiner der großen Handelsstraßen. Diese verkehrstechnisch ungünstige Lage ist noch heute am Verlauf der Autobahn sichtbar. Das ursprüngliche Büdingen lag um die Remigiuskirche. Der Bau der Wasserburg im Seemental kurz vor 1200 war politisch motiviert, die Siedlung entwickelte sich hier als Anhängsel der Burg. Für die Herren von Büdingen war in der Stauferzeit nicht Büdingen, sondern Gelnhausen der politische Mittelpunkt, wo sie als Burggrafen in der Kaiserpfalz amtierten.
Wurde Büdingen nach der Verleihung der Marktrechte 1330 zu einer Handelsstadt? Decker: Nein. Der Handel war in Büdingen weniger bedeutend. Zwar gab es die Kaufhalle im Historischen Rathaus, doch Handel und Wandel waren ganz auf den kleinen Grafenhof ausgerichtet. Es gab aber gute Handelsbeziehungen zu größeren Städten wie Frankfurt, Aschaffenburg, Friedberg und Gelnhausen. Auch Vieh wurde über weite Strecken gehandelt. Es wird zwar oft von den Ackerbürgern gesprochen, aber die Viehhaltung war in Büdingen aufgrund der topographischen Lage schwierig. Die enge Bebauung und die Hügel rings um die Stadt eigneten sich nicht für Agrarwirtschaft. Es ist belegt, dass beispielsweise Ochsen bis aus Ungarn bezogen wurden. Dabei erstaunt mich immer wieder, wie mobil die Menschen damals waren. Nicht nur die Herrschaft war oft unterwegs. Viele Menschen verdienten ihren Lebensunterhalt als Botengänger, wobei oft weite Wege, etwa zum Reichskammergericht in Worms, zurückgelegt wurden.
Wie war die Entwicklung beim Handwerk? Decker: Im 15. Jahrhundert entwickelte sich ein anderes Handwerk, als man es aus den Bürgerstädten kennt. Neben den Handwerkern für die Grundversorgung wie beispielsweise Bäcker, Metzger, Lederhandwerker und Schmiede gab es in Büdingen hauptsächlich eine Hofhandwerkerschaft, die hochwertige Produkte fertigte. So gab es neben den Flickschustern auch Schuhmacher, die schon Stiefel machten. Hofschneider, Löffelschmiede, Ofen- und Kachelmacher, Sattler und Sporer gehören ebenfalls dazu. Auch Maler lassen sich nachweisen.
Welche Rolle spielte der Bau der Stadtbefestigung um 1500? Decker: Im ausgehenden 15. Jahrhundert wurde das Bauhandwerk ganz wichtig. Graf Ludwig richtete eine Bauhütte ein, zunächst für den Bau der Marienkirche und die Vorarbeiten für den Festungsbau. Maurer, Schlosser, Steinmetze und Zimmerleute fanden hier ihr Auskommen. Wie qualitätsvoll deren Arbeit war, sieht man noch heute an den herausragenden Bauten der Stadt. Für die technische Seite waren die Büchsenmacher zuständig. Zuerst haben sie kleine Kanonen gegossen, später waren sie für die ganze Technik zuständig, haben etwa Kräne gebaut. Die Bautätigkeit brachte auch Spezialhandwerk hervor. So ist über Jahrzehnte belegt, dass eine Familie Kist Steinkarren baute. Nicht zu vergessen sind die vielen Arbeiter in den Steinbrüchen, die in den alten Rechnungen als "Opferknechte" bezeichnet werden. Das bezieht sich nicht auf "Opfer", sondern die Arbeiter waren den Meistern und ihren "Knechten" (Gesellen) nachgeordnet. Mit der Baukonjunktur im 16. Jahrhundert erschienen auch Bildhauer. Was nicht stimmt ist, dass die armen Bürger Frondienste leisten mussten. Der Festungsbau war ein reiner Akt der Herrschaft. Die Bürger mussten allerdings später die Unterhaltung leisten.
Welche Berufe gab es noch in Büdingen? Decker: Ein weiterer Erwerbszweig war der Weinbau, der in Büdingen eine wichtige Rolle spielte. Die Hecker, die nebenberuflichen Weinbauern, durften ihren eigenen Wein verkaufen, allerdings nur zu einer bestimmten Zeit des Jahres. Als Handwerker sind die Küfer belegt, die nicht nur Fässer bauten, sondern auch den Wein behandelten. Die Herrschaft mochte übrigens den Büdinger Wein nicht so gerne. Wie die Rechnungsbücher belegen, bezogen sie ihren Wein aus anderen Regionen wie Franken oder dem Rheinland.
Woher kommt dieses Wissen über die mittelalterlichen Verhältnisse? Decker: Mit alten Rechnungen kommt man dem Handwerk sehr gut auf die Spur. Hier ist zum Beispiel eine Büdinger Küchenrechnung von 1523. Darin wurde die gesamte Hofhaltung abgerechnet. Die Rechnungsführung war sehr genau. Bis auf den letzten Heller wurde alles abgerechnet. Auch Klosterrechnungen wie die des nahen Marienborn sind gute Quellen.
"Händler und Gaukler sind ganz eigenes Völkchen" (Kreis-Anzeiger, 19.06.2007)
Vorbereitungen für das Mittelalterfest laufen auf Hochtouren - Vielschichtige Organisation
Jutta MartiniBÜDINGEN. Das Mittelalterfest am 7. und 8. Juli in Büdingen verspricht ein Fest der Superlative zu werden. Bereits jetzt haben sich mehr als 100 Händler und 50 Handwerker angemeldet. 40 Stände mit Essen und Getränken werden außer der Gastronomie der Altstadt die hungrigen und durstigen Besucher versorgen. In den drei Ritterlagern kampieren am Festwochenende 21 Rittergruppen mit mehr als 150 Personen. Dazu kommen Künstler, Gaukler, Musiker, ein Kinderbereich an der Verbindung von Marktplatz und Oberhof und der Viehmarkt auf dem Altstadtparkplatz. Ein solches Großereignis bedarf einer guten und genauen Planung. "Ohne die Unterstützung der Ehrenamtlichen des Vereins "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" wäre eine solche Veranstaltung nicht durchzuführen", bekennt Jürgen Kühnl, Leiter des städtischen Amtes für Soziales und Kultur.
So formierte sich bereits im September vergangenen Jahres ein Organisationskomitee, dem neben Kühnl Susanne Hasecke, Dieter Egner, Helmut Hartmann und Achim Weisel angehören. Hartmann als der Erfahrenste bei der Vorbereitung von Mittelalterevents - er organisierte zehn Jahre Veranstaltungen auf der Ronneburg - kümmert sich um die Einteilung der Stände und die technische Abwicklung. Egner ist zuständig für die Programme und Umzüge, Weisel für den Viehmarkt und das Ritterlager. Susanne Hasecke sorgt mit der Internet-Homepage und Werbung dafür, dass das Fest bekannt wird. Bei Jürgen Kühnl schließlich laufen alle Fäden zusammen. Eingebunden in die Vorbereitungen sind aber auch viele weitere Helfer und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Die Stunden, die das Team bisher mit der Vorbereitung verbrachte, sind nicht zu zählen. "Das rechnet sich in Wochen", so Hasecke.
Die Organisation eines Mittelalterfestes unterscheidet sich von der anderer Großveranstaltungen und Märkte und ist sehr zeitintensiv. "Die Händler und Gaukler sind ein eigenes Völkchen. Die wollen, dass man mit ihnen verhandelt", weiß Hartmann, der tagelang Anfragen sichtete und sortierte und schließlich jeden Händler telefonisch kontaktierte, um genaue Absprachen zu treffen. In diesem Punkt hat man aus den Fehlern der vergangenen Feste gelernt. "Da hatte jemand drei Meter angemeldet und kam dann mit einem Acht-Meter-Stand", erinnert sich Weisel. Oder ein Partyzelt statt eines mittelalterlichen Holzstandes sollte aufgebaut werden. Jetzt wird schon vorab genau geklärt, wie die Stände aussehen und was genau angeboten wird. Bei diesen persönlichen Kontakten wurde auch manche versteckte Ressource wie künstlerische Aktivitäten entdeckt.
Überhaupt ist die Vergabe der Standplätze ein Thema, das viel Kopfzerbrechen bereitete. Klar ist, dass den Besuchern ein Eindruck vermittelt werden soll, wie früher gelebt und gehandelt wurde. Deshalb wird auch kein modernes Zubehör akzeptiert. Erfreulich sei, berichtet Kühnl, dass auch die Gastronomen der Altstadt ihre Außenflächen stilgerecht gestalten wollen. Dann muss darauf geachtet werden, dass die Feuerwehrdurchfahrt gewährleistet ist, und in den winkligen Gassen der Altstadt steht so manches "Hindernis" wie Blumenkübel, Hydranten oder unterschiedlich breite Bürgersteige, die die Standvergabe erschweren.
"Wir sind ständig um Verbesserungen bemüht", berichtet Egner. Dazu gehören verschiedenen Aktionsflächen, das Handwerkerdorf im Oberhof, ein ausgeschilderter Rundweg und bunte Bändchen statt Eintrittskarte und Stempel. Denn die Kassen sind ein Knackpunkt. Da die Straße Am Hain nur zum Parken für Altstadtbewohner reserviert ist, wird am Jerusalemer Tor und an der Mühltorbrücke mit Besucherschlangen gerechnet. Die können dann schon einmal das Ritterlager im Hirschgraben besuchen, für das eigens eine Treppe am Lohsteg gebaut wird, oder sich an der großen Aktionsfläche am Jerusalemer Tor die Wartezeit vertreiben lassen.
Um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewähren, sind viele freiwillige Helfer erforderlich, die eingeteilt werden müssen. So werden Büdinger Carneval Club, Handball Club, Reservistenkameradschaft und Drum Band wieder die Kassen übernehmen. Dann wird es Verantwortliche für die Bühnen und Aktionsflächen und die Stände geben. Auch die Altstadtbewohner sind eingeladen, sich zu beteiligen. Wer sein Haus mittelalterlich herrichten oder Fahnen aufhängen möchte, kann sich an das Amt für Kultur und Soziales unter der Telefonnummer 06042/884123 wenden.
Für alle Interessierten ist für den 26. Juni ist ein weiteres Treffen geplant. Es wird ab 20 Uhr in der Willi-Zinnkann-Halle stattfinden.
Mittelalter-Fernsehen filmte in der Altstadt (Kreis-Anzeiger, 30.05.2007)
Internetsender begeistert vom historischen Gesamtbild Büdingens - Vorbereitungen zum Mittelalterfest im Fokus
Auf Initiative der Geschichtswerkstatt Büdingen besuchte ein Aufnahmeteam des Mittelalter-Senders Radio AENA / AENA TV am vergangenen Wochenende Büdingen, um Theater-Szenen, Vorbereitungen zum Mittelalterfest am 7. und 8. Juli und Eindrücke aus der Altstadt auf Film zu bannen. Aus dem aufgenommenen Material werden ein kürzerer Werbefilm für das Fest und ein etwa 30-minütiger Film über Büdingen und sein Angebot für Mittelalterfreunde entstehen. Veronika und Udo Schenk vom Internetsender AENA waren von Büdingens historischem Gesamtbild hellauf begeistert.
Musik aller mittelalterlichen Richtungen und Filmaufnahmen von Auftritten mittelalterlicher Gruppen können unter www.radio-aena.de gehört und unter www.aena-tv.de gesehen werden. Susanne Hasecke und Joachim Cott führten das Aufnahmeteam über zwei Tage durch die Gassen Büdingens. Für den geplanten Film, der Anfang Juni im Internet bereitstehen wird, konnten die schönsten Ansichten und Details der historischen Stadt aufgenommen werden. Da bei Radio AENA vor allem das "Fachpublikum" zu den Stammhörern zählt, werden diese auf den Besuch des Mittelalterfests eingestimmt, wichtig vor allem für diejenigen, die vom Büdinger Mittelalterfest bislang noch keine Kunde hatten.
Da Büdingen in seinem touristischen Wert nicht nur von alten Gebäuden, Gassen und Plätzen lebt, sondern zudem über eine ausgeprägte ehrenamtliche Kulturszene verfügt, wurde diese entsprechend ins Bild gesetzt. Am vergangenen Samstag wurden Szenen aus dem Kriminalstück "Der Tod des Schmiedemeisters Schmück" aufgenommen. Diese Aktion lockte auch viele Zuschauer an, die zufällig durch die historische Stadt schlenderten. Am Sonntag machten Reiterszenen mit den Familien Wolfgang Busch und Uwe Walter, sowie Silke Matthäs den Auftakt. Mit Pferden, Hunden und Greifvogel ging es zur Jagd.
Vier "Klageweiber" ließen sich danach ausgiebig über die "Herrschaft" aus, die auf ihren Jagden die Gemüsegärten der armen Bürger verwüsteten. Acht Schwertkämpfer der neu gegründeten Büdinger Schaukampf-Truppe in voller Montur ließen die Klingen blitzen und boten den vielen Betrachtern ein farbenfrohes Schauspiel ihrer Kampfkünste. Im Anschluss wurden Szenen aus der Erlebnisführung des Gassevolks aufgenommen, bevor sich die Akteure und das Filmteam noch zu einer Besprechung trafen. Dank der engagierten Mitarbeit des Vereins "Lebendiges Mittelalter", der Schauspieler des "Schmiedemeisters Schmück" und des "Gassevolks" wird das umfangreiche Filmmaterial einen guten Vorgeschmack auf das Büdinger Mittelalterfest bieten können.
Radio AENA hat bereits seine Anwesenheit am Fest zugesagt, das ausführlich filmisch dokumentiert werden wird. Eine Bildergalerie der Filmaufnahmen folgt in Kürze unter www.jungborn-buedingen.de.
"Vielleicht sind wir alle kleine Pyromanen" (Kreis-Anzeiger, 25.05.2007)
Verein Lebendiges Mittelalter in Büdingen initiiert Feuerartistik-Workshop - Umgang mit brennenden Fackeln
Jutta MartiniBÜDINGEN. "Noch sieht es aus wie Keulengymnastik", lacht Katja Kopp. Auf dem Schulhof der Büdinger Grundschule schwingen zehn Frauen Gymnastikkeulen im Kreis, bewegen sich dabei nach den Anweisungen von Tanja Felten. Erst zum zweiten Mal trifft sich der Feuerartistik-Workshop des Vereins Lebendiges Mittelalter in Büdingen, doch schon jetzt sind die Bewegungen sehr synchron. "Beim Fest sieht das wunderschön aus", ist sich Felten sicher und bescheinigt allen Teilnehmerinnen mit viel Motivation und Begeisterung bei der Sache zu sein. Beim Mittelalterfest werden alle mit Feuerfackeln, den Swinging-Fackeln, auftreten und in der Dunkelheit wird man vor allem die Bewegung der Lichter verfolgen können. Die Workshop-Gruppe wird Teil der großen Feuershow bei der "Nacht des Feuers" am Samstag, 7. Juli, beim Büdinger Mittelalterfest sein. Für 22 Uhr ist ein Fackelumzug geplant, der vom Jerusalemer Tor bis zum Schlossplatz führen soll, wo das große Finale mit Tanz, Artistik und Feuerwerk stattfindet.
Feuer hatte im Mittelalter eine große Bedeutung, war aber zwiespältiger Natur. Zum einen war es wärmespendend, wurde im Haushalt zum Kochen benötigt und war notwendiger Bestandteil bei der Ausübung vieler Handwerke. Man denke nur an die Schmiede oder Bäcker. Kaum etwas war aber mehr gefürchtet als eine Feuersbrunst, wenn die zerstörerische Kraft des Feuers freigesetzt wurde. Dicht an dicht gebaute Fachwerkhäuser boten den Flammen einen guten Nährboden und die mangelhafte Ausstattung zum Löschen von Bränden bewirkte, dass nicht selten große Teile von Städten und Dörfern vernichtet wurden und die betroffenen Menschen ohne Hab und Gut zurückließen. An diese Aspekte soll die "Nacht des Feuers" erinnern.
Die Gefahr, dass ungeübte Akteure sich selbst und andere verletzen könnten, gab auch den Ausschlag für die Einrichtung des Workshops, wie Achim Weisel vom Mittelalter-Verein berichtet. Nun lernen die Interessierten unter der Anleitung der Zirkus- und Theaterpädagogin Tanja Felten nicht nur, wie man sicher mit den Feuerfackeln umgeht, sondern üben eine Choreographie ein, die ein ansehnlicher Showeffekt werden wird. "Immer in Bewegung bleiben", ermuntert Felten die Teilnehmerinnen, die die Keulen locker aus dem Armgelenk oder steif als Armverlängerung schwingen. "Das sieht besser aus." Acht verschiedene Einheiten werden einstudiert, alles fließend und mit schwingenden Bewegungen. Wie man den richtigen Effekt erzeugt, weiß die Artistin. Und demonstriert dann, wie das Erlernte mit richtigen Feuerfackeln aussieht. Die Swinging-Fackel besteht aus einem Aluminiumstab, der an einem Ende mit Dochtband umwickelt ist. Das Band wird in Lampenöl oder Petroleum eingetaucht und brennt dann etwa zehn Minuten.
Barbara Csermak hat zum ersten Mal eine Feuerfackel in der Hand. "Es ist ein ganz anderes Gefühl mit den brennenden Fackeln", sagt die junge Frau. "Das geht weg vom Bodenturnen. Und das Geräusch ist toll." Csermak hat die weiteste Anreise aus der Gruppe. Über das Internet ist die Offenbacherin auf das Mittelalterfest in Büdingen und den Feuerartistik-Workshop gestoßen. "Das Mittelalter interessiert mich sehr. Und sonst hat man wenig Chancen, an so etwas teilzunehmen", begründet sie, warum sie die Mühen der langen Anfahrt auf sich nimmt. "Vielleicht sind wir alle kleine Pyromanen", versucht Katja Kopp die Begeisterung der Gruppe für die Feuerakrobatik zu erklären.
Was das Schwierigste am Workshop ist? Die Schultern werden viel beansprucht und auch die Synchronisation erfordert noch einige Übung. "Sich gegenseitig nicht abzufackeln", wirft Kerstin Melzer ein. Das wird Tanja Felten zu verhindern wissen, und die Besucher des Mittelalterfestes können sich auf einen sehenswerten Feuerzauber freuen.
Sogar zwei Amazonen tragen Kettenhemd, Helm und Stiefel (Kreis-Anzeiger, 17.05.2007)
Schwertkampfgruppe bereitet sich auf Mittelalterfest vor - Übungsstunden im Stadtgraben
BÜDINGEN (jm). In sechs Wochen dreht sich in Büdingen alles um das Mittelalter. Dann wird nämlich das dritte Mittelalterfest in der Altstadt mit Marktständen, historischem Handwerk, Gauklern, Viehmarkt, Umzügen, Theater und vielen weiteren Attraktionen gefeiert. Die Vorbereitungen für das Großereignis laufen schon seit Monaten. In loser Folge stellt der Kreis-Anzeiger Initiativen, Gruppen und Aktionen rund um das Mittelalterfest am siebten und achten Juli vor. Das Motto des diesjährigen Festes lautet "Handwerk, Ackerbau und Handel im mittelalterlichen Büdingen". Doch was wäre ein Mittelalterfest ohne Ritter, die in glänzenden Rüstungen mutig mit Schwertern kämpfen und die Stadt bewachen? Seit dem achten März trifft sich jeden Dienstag ab 20 Uhr eine Gruppe von 14 Personen in der Turnhalle der Stadtschule, bei schönem Wetter auch im Stadtgraben, um mittelalterlichen Schwertkampf einzuüben. Viele Teilnehmer gehören Mittelaltergruppen wie dem "Beuringer Gassevolk" an, manche hatten zuvor aber noch nie ein Schwert in der Hand. Wie Silke Matthäs, eine von zwei Frauen in der Schaukampfgruppe des Büdinger Mittelaltervereins. "Ich habe mehr eine kriegerische Natur als einem Mann hinterherzuräumen", begründet die junge Frau ihr Interesse an diesem brachialen Handwerk. Die Männer haben gegen Frauen nichts einzuwenden. "Es gab doch schon immer Amazonen", so Achim Grauling, der die Gruppe zusammen mit Karsten Reifschneider leitet. Und sicher die ein oder andere adlige Dame oder Bauersfrau, die in früheren Zeiten geschickt mit Waffen umgehen konnte. Schließlich war in den kriegerischen Zeiten des Mittelalters nicht immer ein Mann zur Seite, wenn die Familie oder die Ehre verteidigt werden musste.
Zunächst wurde mit Übungsschwertern gekämpft, mittlerweile ist man auf richtige Waffen umgestiegen, mit denen nach einer vorgegebenen Choreographie Kampfszenen einstudiert werden. Auch wenn die Abfolge vorgegeben ist und die Schwerter stumpf sind, die richtige Kleidung ist dennoch wichtig, um Verletzungen vorzubeugen. So ist jeder Kämpfer mit Kettenhemd, Kettenhaube, Helm, Stiefeln und Handschuhen aus Blech oder Leder ausgestattet. Vieles ist selbstgemacht.
Beim Mittelalterfest hat die Gruppe ein abgesperrtes Areal in der rechten Grabenseite am Jerusalemer Tor. Dort werden in loser Zeitfolge Schaukämpfe stattfinden. Auch beim Marktgeschehen können sich die Schwerkämpfer vorstellen, mitzuwirken, vielleicht bei Szenen auf dem Marktplatz-Podium. Sicher aber werden die Ritter für Fragen zur Verfügung stehen.
Wer noch teilzunehmen möchte, ist herzlich willkommen. Ansprechpartner ist Karsten Reifschneider unter der Telefonnummer 0176/23845770. "Es gibt keine Sieger und keine Verlierer. Wir kämpfen miteinander, nicht gegeneinander", beschreibt Grauling die Devise.
Großes Ziel heißt historisches Theaterstück (Kreis-Anzeiger, 27.04.2007)
Jahreshauptversammlung des Vereins "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" - Dieter Egner bleibt Vorsitzender
BÜDINGEN (jm). Natürlich warf das bevorstehende Mittelalterfest am ersten Juli-Wochenende seine Schatten auf die Jahreshauptversammlung des Vereins "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" voraus. Neben den Informationen über den aktuellen Stand der Planungen für das Großereignis am 7. und 8. Juli berichtete Vorsitzender Dieter Egner in den "Schloßstuben" auch über die Aktivitäten des vergangenen Jahres und gab einen Ausblick auf die Projekte, an denen sich der Verein neben dem Mittelalterfest in diesem Jahr beteiligen wird. Außerdem stand die Neuwahl des Vorstandes auf der Tagesordnung. Dabei wurde Dieter Egner im Amt des Vorsitzenden bestätigt. Ebenfalls wiedergewählt wurde Achim Weisel als stellvertretender Vorsitzender und Helmut Hartmann als Schatzmeister. Schriftführerin ist nun Susanne Hasecke. Roman Wagner, Carsten Reifschneider, Ute Kaiser und Katja Kopp wurden zu Beisitzern gewählt. Als Revisoren werden Antje Velten und Monika Weisel im kommenden Jahr die Kasse prüfen.
Im Jahr 2006 wirkte der Verein an fünf Festen mit. Dazu gehörten Gärtnermarkt, Gallusmarkt, Kulturnacht, Rosenhoffest und die Bürgerhochzeit des "Gassevolks", die mit zwei ausverkauften Veranstaltungen als voller Erfolg gewertet wurde. Ebenso war "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" Ausrichter der Regional- und der Landestagung des Landesverbandes Hessischer Amateurbühnen, die vor kurzem auch in diesem Jahr in Büdingen stattfand.
Besonders stolz ist der Verein darauf, dass sich Kooperationspartnerschaften, beispielsweise mit Schulen, großer Beliebtheit erfreuen. So wird derzeit in Kooperation mit dem Büdinger Geschichtsverein und dem Heuson-Museum eine Projektwoche am Wolfgang-Ernst-Gymnasium vorbereitet. Im Einsatz in Schulen bei Projekttagen oder -wochen informieren und zeigen Vereinsmitglieder, wie das Leben im Mittelalter wirklich war. Das große Ziel für die Zukunft ist allerdings, wieder ein historisches Theaterstück mit vielen Teilnehmern zu einem Stadtjubiläum aufzuführen.
Obwohl der 2003 gegründete Verein relativ klein ist, kann er bei Aktionen auf viele Mitstreiter zurückgreifen. So haben sich bisher schon 261 Personen für die Teilnahme am Mittelalterfest gemeldet, berichtete Egner, ein positives Beispiel für Bürgerengagement. Schon im vergangenen August konstituierte sich die Arbeitsgemeinschaft für die Vorbereitung des Mittelalterfestes, der neben dem Verein Mitarbeiter der Stadtverwaltung angehören. "Es läuft alles sehr gut", stellte Egner zu den Planungen fest. 90 Händler, 49 Handwerker und 40 Essensstände sind bereits angemeldet. Für das Lager im Hirschgraben haben 13 Gruppen ihre Teilnahme zugesagt. Außerdem wurden Musiker, Gaukler und Künstler engagiert. Trotzdem werden noch Teilnehmer gesucht, besonders für die Umzüge zur Markteröffnung am Samstag, den nächtlichen Fackelzug und den Einzug der Bauern, Handwerker und Händler am Sonntag.
Während die Stadtverwaltung oft in der Kritik steht, spendetet Egner ein dickes Lob an die Mitarbeiter, besonders an Jürgen Kühnl, der von städtischer Seite für das Mittelalterfest verantwortlich ist. Die Zusammenarbeit verlaufe vertrauensvoll und harmonisch. "Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie sachkundige Bürger und die Stadtverwaltung sich ergänzen und mit ihren Kompetenzen Synergieeffekte erzeugen", so Egner.
Auch die Bewohner der Altstadt werden durch ein Info-Schreiben rechtzeitig auf das Fest vorbereitet. So wird wie bei den vergangenen Festen das Parken in der Altstadt untersagt sein. Ausweichparkplätze befinden sich in der Straße Am Hain, die an beiden Tagen nur für Anwohner kostenfrei zur Verfügung stehen. Da wieder Eintritt erhoben wird, müssen Altstadtbewohner an den Kassen ihre Personalausweise vorzeigen, um kostenlos eingelassen zu werden. Auch werden Altstadtbewohner gesucht, die ihre Höfe für ein gastronomisches Angebot öffnen.
Anmeldungen für die Teilnahme am Mittelalterfest nimmt das Amt für Jugend, Kultur und Soziales unter der Telefonnummer 06042/884123 entgegen. Die Stadtverwaltung ist auch Ansprechpartner für alle organisatorische Fragen bezüglich des Festes.
Bürger-Engagement hebt Mittelalterfest von Veranstaltungen in anderen Städten ab (Kreis-Anzeiger, 13.03.2007) Ratssitzung" zum diesjährigen "Spectakulum" im Juli - Bereits Verträge mit 51 Händlern
BÜDINGEN (pd). Im Hotel-Restaurant Schlossstuben in Büdingens Altstadt fand jetzt die erste "Ratssitzung" zum diesjährigen Mittelalterfest am siebten und achten Juli statt. Diese Sitzungen sollen als Informationsveranstaltungen für interessierte Büdinger fungieren. Die gesetzten thematischen Schwerpunkte für das diesjährige "Spectakulum" und der Stand der Vorbereitungen sollen möglichst vielen Menschen transparent gemacht werden. Zur Premierensitzung hatten die Stadt Büdingen und der Verein "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" eingeladen.
Jürgen Kühnl, Leiter der Abteilung Jugend, Kultur und Soziales der Stadt, begrüßte an diesem Abend 35 Teilnehmer. Unter ihnen waren Bürgermeister Erich Spamer sowie Aktive des Vereins "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" und der Gruppe "Gassevolk". Der größte Teil der Anwesenden hat seine Teilnahme bereits zugesagt. Freuen kann sich Büdingen zum Beispiel auf mittelalterliche Gewandungen, handgetöpferte Keramik, Holzspielzeug, Glasbläser, Büttner, Steinmetze, Weber, Schuhmacher, Buchbinder, Schmiede, Knoppmecher, eine historische Schaukäserei, ein Badehaus, einen Elixierhandel und eine Wahrsagerin. Auch für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt sein, mit Apfelkringeln im Backteig, Kräuterfladen, Flammkuchen, Knoblauchbrot, Damwildgulasch, Krummen Krapfen, Met und Fruchtweinen. Bisher wurden Verträge mit 51 Händlern, 27 Handwerkern und 22 Speisen- und Getränkeständen geschlossen, weitere werden folgen.
Dieter Egner, Vorsitzender des Vereins "Lebendiges Mittelalter in Büdingen", stellte anschließend noch einmal die sechs Teilprojekte des Festes vor: Handwerkerleben in Büdingen, die kleine Weinstadt Büdingen, "Heimliches Brot - die Nacht der Feuer", Markttage in Büdingen, Orte der Andacht und Stadtwache auf den Mauern - Ritter und Trosslager vor den Mauern. Egner präsentierte zudem bereits einen vorläufigen Programmablauf. Das zugehörige Angebot an Kursen und Workshops bietet von der Gewandungsschneiderei über Schwertkampftraining, Kochkurs, Feuershow, Theater und der Möglichkeit zum Erlernen höfischer Tänze wieder viele Möglichkeiten, sich direkt am Gelingen des Mittelalterfestes zu beteiligen. So kamen bei der Sitzung einigen Besuchern spontan Ideen zu kleinen Aktionen. Gerade die Beiträge der Bevölkerung setzen beim Büdinger Mittelalterfest die Akzente, die es von ähnlichen Veranstaltungen an anderen Orten abhebt.
Aufgrund der großen Teilnehmerzahl wird die nächste Sitzung Ende März im Clubraum des Bürgerhauses stattfinden.
Infoabend zum Mittelalterfest 2007 fand großes Bürgerinteresse (02.03.2007)
Am vergangenen Mittwoch fand in den Schlossstuben in der Büdinger Altstadt die erste „Ratssitzung“ zum diesjährigen Mittelalterfest 2007 am 7. und 8. Juli statt. Diese Sitzungen dienen zur Information interessierter Büdinger, welche thematischen Schwerpunkte für das diesjährige Spectakulum gesetzt wurden und wie weit die Vorbereitungen bisher gediehen sind. Eingeladen hatten hierzu die Stadt Büdingen und der Verein „Lebendiges Mittelalter in
Büdingen e.V.“.
Jürgen Kühnl, Leiter der Abteilung Jugend-Kultur-Soziales der Stadt Büdingen, konnte an diesem Abend 35 Teilnehmer begrüßen, unter ihnen Bürgermeister Erich Spamer und natürlich Aktive des Vereins „Lebendiges Mittelalter in Büdingen e.V.“ und vom „Gassevolk“. Ein großer Teil der von ihm und Mitgliedern des Mittelalter-Vereins ausgewählten Akteure haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Freuen kann sich Büdingen auf mittelalterliche Gewandungen, handgetöpferte Keramik, Holzspielzeug, Glasbläser, Büttner, Steinmetze, Weber, Schuhmacher, Buchbinder, Schmiede, Knoppmecher, eine historische Schaukäserei, ein Badehaus, einen Elixierhandel, eine Wahrsagerin und einiges mehr. Auch für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt sein, mit Apfelkringeln im Backteig, Kräuterfladen, Flammkuchen, Knoblauchbrot, Damwildgulasch, Krummen Krapfen, Met und Fruchtweinen, um nur einige zu nennten. Bisher sind Verträge mit 51 Händlern, 27 Handwerkern und 22 Speisen- und Getränkeständen geschlossen, weitere werden folgen.
Dieter Egner, Vorsitzender des Vereins „Lebendiges Mittelalter in Büdingen e.V.“, stellte anschließend noch einmal die sechs Teilprojekte des Festes vor: Handwerkerleben in Büdingen, die kleine Weinstadt Büdingen, Heimliches Brot – die Nacht der Feuer, Markttage in Büdingen, Orte der Andacht, Stadtwache auf den Mauern – Ritter und Trosslager vor den Mauern. Auch konnte Dieter Egner bereits einen vorläufigen Programmablauf präsentieren. Das zugehörige Angebot an Kursen und Workshops bietet von der Gewandungsschneiderei über Schwertkampftraining, Kochkurs, Feuershow, Theater und der Möglichkeit zum Erlernen höfischer Tänze wieder viele Möglichkeiten, sich direkt am Gelingen des Mittelalterfestes zu beteiligen. So kamen auch an diesem Abend einigen Besuchern spontan Ideen zu kleinen Aktionen. Gerade die Beiträge der Bevölkerung setzen beim Büdinger Mittelalterfest die Akzente, die es von ähnlichen Veranstaltungen an anderen Orten abhebt. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl wird die nächste Ratssitzung Anfang April im Clubraum des Bürgerhauses stattfinden.
Das Mittelalter lebendig machen (Kreis-Anzeiger, 24.02.2007)
Verschiedene Kurse bereiten auf das Mittelalterfest vor
BÜDINGEN (co). Damit das Mittelalterfest am 7. und 8. Juli richtig lebendig wird und viele Menschen aus der Region teilnehmen, bieten der Verein Lebendiges Mittelalter in Büdingen und die Stadt Büdingen verschiedene Kurse an, die auf das Fest vorbereiten. Bei der breiten Palette der Möglichkeiten finden sicherlich viele Interessierte einen Bereich, den sie authentisch mitgestalten können. Sie können sich zum Beispiel selbst mittelalterliche Gewandungen anfertigen. Rat und Hilfe dazu bieten Barbara Uhdris (06042/2309) und Ute Kaiser (06042/678987) im Geschäft Camelot in der Altstadt 17. Beide sind Fachfrauen in der Herstellung von Gewändern. Da die Stadt in ihrer Vielfalt dargestellt werden soll, sollten natürlich auch viele unterschiedliche historische Kleidungen getragen werden. In der damaligen Zeit gab es Eisenschmelzer, Bretthauer, Ziegelbrenner, Pottaschenbrenner, den Pfannenschmied, den Schlachter, den Leineweber, den Filser, den Löffler und die Papiermacher. Steinbrucharbeiter arbeiteten in den Büdinger Steinbrüchen. Steinmetze bauten die Festungsmauern und die Marienkirche. Frauen und Kinder waren im Handwerk und in der Landwirtschaft in den Tagesbetrieb eingespannt. Im Hofhandwerk findet man Harnischfeger, Armbrustmacher, Büchsenmacher und die Scriptoren, Kalligraphen, Drucker und Buchbinder. Die meisten von ihnen hatten ihre Zunftkleidung. Gewiss kann auch höfische Gewandung geschneidert werden. Die Beratung ist kostenlos.
Wer mit anderen Akteuren kurze Spielszenen zur Stadtgeschichte oder Begebenheiten, die sich in Büdingen zugetragen haben könnten, schreiben und/oder aufführen möchte, ist richtig aufgehoben bei Andreas Hesse (06042/9790936). Die kleinen Stücke werden als Theaterszenen einstudiert und auf Straßen und Plätzen aufgeführt. Ab März geht es mit diesem Kurs in den Räumen der "Sternstunden" los. Kosten kommen auf Teilnehmer lediglich anteilig für Schminke, Stoff für Gewandung und ähnliches zu.
In der Schaukampf-Übungsgruppe von Karsten Reifschneider können heldenhafte Ritter oder mutige Knappen trainieren. Auch emanzipierte Adelsdamen kämpften mit eigenem Schwert. Deswegen sind auch Damen in dieser Trainingstruppe willkommen. Denn Schwertkampf will gelernt sein - Reifschneider ist hier der richtige Mann mit langer Erfahrung in dieser Kunst. Anmeldungen unter Telefon 0176/23845770. Das Training beginnt am 6. März. Vorgesehen sind 20 Treffen, jeweils dienstags von 20 bis 21.30 Uhr in der Turnhalle der Stadtschule. Die Teilnehmer sollten mindestens 16 Jahre alt sein. Die Kosten für diesen Kurs belaufen sich auf 20 Euro.
Gut gegessen haben die Menschen im Mittelalter selbstverständlich auch. Eintauchen in die Vielfalt der mittelalterlichen Gerichte können interessierte Damen und Herren mit Fachfrau Tatjana Laser in einer ganz modernen Küche, nämlich bei Küchen-Preußer in Düdelsheim. Dort wird die Gruppe gemeinsam schmackhafte Gerichte mit regionalen Produkten zubereiten, die es seit jeher in der Wetterau und im Vogelsberg gibt. Von Fleischgerichten über Gemüse, Suppen und Eintöpfen bis hin zu Nachspeisen reicht der Speiseplan. Der Kurs beginnt im April, die Termine werden mit der Kursleiterin abgesprochen, Anmeldung schon jetzt unter 06666/918199. Der Kurs kostet pro Treffen acht Euro zuzüglich Lebensmittel.
Eine mittelalterliche Gaukler- und Feuerschau darf bei einem solchen Fest nicht fehlen. Vorbereitet wird sie mit Tanja Felten, in Büdingen längst bekannt als Akrobatin Tanja Wirbelwind. Unter ihrer Anleitung baut die Gruppe Feuerschleudern, macht Körperübungen, um fit zu sein und zieht nächtens durch die Stadt bis hoch auf die Mauern. In diesem Kurs soll auch ein Backofen gebaut werden. Anmeldung unter 06046/954110. Er beginnt am 8. Mai in der Turnhalle der Stadtschule. Vorgesehen sind acht Abende zu je etwa zwei Stunden. Dieser Kurs kostet 28 Euro.
Höfische Tänze und deftigere Tanzformen der Bauern und Ackerbürger können Interessierte bei Antje Velten und Inge Müller lernen. Die bereits bestehende Tanzgruppe hat viel Spaß daran. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Die Teilnehmer können entweder nur für das Mittelalterfest im Juli mitlernen, sind aber darüber hinaus eingeladen, dann noch weiter zu machen. Die Gruppe bietet am 1. März einen Schnuppertermin und probt ab 22. März vierzehntägig im Sälchen des Kulturzentrums Oberhof, jeweils donnerstags von 20.15 bis 21.45 Uhr. Die Kosten für sechs Abende betragen 30 Euro. Anmeldung unter 06042/953251. Interessenten für alle Kurse können sich entweder bei den oben angegebenen Kursleitern melden oder in der Abteilung für Kultur, Soziales und Jugend im Rathaus der Stadt Büdingen, Telefon 06042/884123.
Über 80 Händler haben sich für das Mittelalterfest angemeldet (Kreis-Anzeiger, 03.02.2007)
Am 7. und 8. Juli erweckt Büdingen seine reiche Geschichte wieder zum Leben
BÜDINGEN (pd). Volle Einstimmung auf das Mittelalterfest am 7. und 8. Juli war bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins "Lebendiges Mittelalter Büdingen" angesagt. Klar verteilte Schwerpunkte für die Organisation des Festes wurden festgelegt, denn nach den gelungenen Veranstaltungen der vergangenen Jahre soll auch dieses Jahr den vielen Tausend Besuchern Attraktives aus dem mittelalterlichen Leben geboten werden. Eine Lenkungsgruppe mit Achim Weisel, Helmut Hartmann, Dieter Egner, Susanne Hasecke vom Verein Lebendiges Mittelalter und Jürgen Kühnl von der Stadtverwaltung stellt den Gesamtablauf zusammen, auch für Arbeitsbereiche wie Kursangebote wurden die personellen Festlegungen getroffen. Das Plakat für das diesjährige Fest - entworfen von Judith Musch - fand großen Anklang.
Umfassende und aktuelle Informationen für Interessierte und Beteiligte gibt es im Internet unter www.mittelalterfest-buedingen.de .
Die bisherigen Mittelaltermärkte in Büdingen konnten sich sehen lassen: groß angelegtes Lagerleben, gut bestückte Stände und zufriedene Besucher. Das war Werbung pur für Büdingen mit nachhaltiger Wirkung. Von den Vorbedingungen sieht es diesmal, so die Veranstalter, noch besser aus, denn es sind keine Pflasterarbeiten in der Altstadt geplant. Dafür hat sich gegenüber 2005 im städtebaulichen "Guck" der Altstadt einiges getan: Das Bollwerk strahlt in hellstem Glanze, ebenso die Streichwehr (Verbindungsmauer zum benachbarten Hexenturm) und das Schlaghaus (zwischen Mühltorbrücke und Steinernem Haus). Der Lohsteg (Fußgängerbrücke über den Seemenbach unterhalb der Mühltorbrücke) wurde saniert und für die kleinen Quängler gibt es einen ganz neuen Kinderspielplatz gleich anschließend an der westlichen Stadtmauer. Von daher sind die grundlegenden Voraussetzungen für ein wiederum attraktives Mittelalterfest in Büdingen gegeben: Über 80 Händler, sieben Musikgruppen und vielfältige Handwerksangebote, Umzug im Fackelschein und eine Altstadt, deren Fachwerkgebäude mittelalterliches Treiben authentisch sein lassen.
Schräg sollte die Kappe sitzen, damit sie am Kopf besser wirkt (Kreis-Anzeiger, 13.01.2007)
Vorbereitungen für Büdinger Mittelalterfest laufen derzeit schon auf Hochtouren
Monika EichenauerBÜDINGEN. Viel Spaß beim Arbeiten hatten Ute Kaiser, Eva Dubowy und Dieter Egner im Fachgeschäft Camelot während der Anprobe der entsprechenden Gewänder zum Mittelalterfest am 7. und 8. Juli. Hier noch ein Fältchen weg, dort ein bisschen Stoff mehr, hier noch eine Naht angebracht - und die Kappe sollte auch schräger auf dem Kopf sitzen, damit sie richtig wirkt. Das Fest, bei dem die Altstadt sich wieder in einen authentischen mittelalterlichen Marktflecken verwandelt, wirft seine Schatten voraus.
Die Büdinger sind eingeladen, ihre Geschichte lebendig zu machen, die bedeutende Epoche des Mittelalters hier und heute zu gestalten, wie es damals war oder gewesen sein könnte, gemäß der Überlieferungen. Gute Arbeit hatten sie ja schon geleistet beim großen Jubiläumsfest 650 Jahre Stadtrechte und 500 Jahre Untertor im Jahr 2003 und unzählige Gäste damit angelockt. "Unser Bestreben ist es, gemeinsam mit den jungen und den weisen Bürgerinnen und Bürgern sowie allen Freunden der Region Oberhessen, die Mittelaltertage wieder selbst vorzubereiten und zu gestalten", machen die verantwortlichen Organisatoren der Stadt und der Vorsitzende des Vereins Lebendiges Mittelalter, Dieter Egner, deutlich.
Möglichkeiten zur Mitarbeit gibt es: Die Mitwirkenden kleiden sich mittelalterlich ein und nehmen an den beiden Umzügen teil. Bei den historischen Gewändern ist ein breites Spektrum möglich, diese Zeit darzustellen, zum Beispiel als Handwerkerfrau und Handwerker, als Magd und Knecht, als Unfreie, als Geistliche, als Wilderer, als Stadtschöffe, als Musikanten, als Burgmannen oder Adlige. Über 70 Tätigkeiten, Funktionen und Berufe können derzeit von der Arbeitsgruppe angeboten werden. Unter Mitwirkung der Gewandberaterinnen Barbara Uhdris, Ute Kaiser und Eva Dubowy können sich interessierte Menschen auch selbst mittelalterliche Gewänder entwickeln und schneidern oder sich ausleihen. Auskunft zu Nähkursen für mittelalterliche Gewandungen gibt es unter Telefon 0172/9837675 oder 0170/4121243.
Weiter sind Stückeschreiber gefragt und Leute gesucht, die die kleinen Theaterstücke selbst einstudieren und aufführen auf Plätzen und Straßen. Auch das Ritterleben ist ein markantes Merkmal des Mittelalters. Deshalb kann auch ritterlicher Schwertkampf in einer Übungsgruppe erlernt und vertieft werden, garantiert ungefährlich und ohne Blutvergießen. Denn es wird mit Holzschwertern gekämpft. Auch Damen sind willkommen. Mit den Stadtrechten verbunden, deren 650jährige Bestehen Büdingen im Jahr 2003 feierte, war das Aufstellen der Stadtwache. Die Bürger mussten nun selbst für ihren Schutz sorgen. "Nach dem Gleichstellungsgesetz können diesen Dienst neuerdings auch Frauen ausüben. Die Stadtwächter/innen müssen nicht nur die dicken Stadtmauern und Tore bewachen, sondern auch Zölle erheben. Viele Fremdlinge wollen an den Markttagen in das schöne Städtchen, aber ohne Wegzoll geht das nicht", heißt es im Flyer des Vereins Lebendiges Mittelalter zum diesjährigen Fest. Auch für diese Aufgaben werden Leute gebraucht, in historischer Gewandung versteht sich.
Heckenwirtschaften in lauschigen Höfen in der Altstadt sollen Gäste zum gemütlichen Verweilen einladen. Seit 1423 haben die Büdinger das Recht, zu bestimmten Zeiten Wein oder Apfelwein auszuschenken. Die Organisatoren des Festes suchen Altstadtbewohner, die zu den Mittelaltertagen ihre Höfe öffnen und in Anlehnung an den Heckenbrief von 1423, historisch gekleidet freundliche Gastgeber sein möchten, die ein gutes Schöppchen anbieten. Auch Speisen wie im Mittelalter ist ein Bereich, der hervorragend dargestellt werden kann. Ein Kochkurs wird von der Geschmacksintensität und der Vielfalt der mittelalterlichen Küche überzeugen. In dem Kurs wird mit Erzeugnissen aus dem Vogelsberg und der Wetterau gekocht. "Erleben Sie so ein Stück Geschichte auch mit den Geschmacksnervern" - wer daran teilnehmen und mitgestalten möchte, ist ebenfalls willkommen.
Heiß wird´s beim Kurs zum Erlernen der Feuerschleuder. Was genau das ist, kann man beim nächtlichen Umzug durch die Stadt erfahren. Feuer war gefährlich in einem so eng zusammengebauten Ort.
Organisationstalente werden ebenfalls gebraucht, Leute, die im dicksten Trubel Ruhe und klaren Kopf bewahren: Marktmeisterei und Gassenmanagement - wer das gerne macht, ist gut aufgehoben in dieser Arbeitsgemeinschaft. "Machen Sie mit!" heißt es zum Schluss des Flyers für alle Kurse und Arbeitsgemeinschaften. Informieren und anmelden können sich Interessierte im Rathaus, Abteilung Kultur, Soziales und Jugend, Telefon 06042/884123.
Die Altstadt lebt ihre eigene Geschichte (Kreis-Anzeiger, 12.12.2006)
Büdingen feiert im Juli wieder ein großes Mittelalterfest - Interessierte haben jede Menge Möglichkeiten zum Mitmachen
BÜDINGEN (co). Vom 6. bis 8. Juli 2007 wird in Büdingen erneut ein großes Mittelalterfest gefeiert. Vorwiegend organisiert wird das Ereignis vom Verein "Lebendiges Mittelalter Büdingen". Das Fest wird die gesamte Altstadt wieder in eine Atmosphäre versetzen, wie sie vor etwa 600 Jahren hätte sein können. Zwei Tage lang wird die Stadt ihre eigene Geschichte leben. Standen bei den bisherigen historischen Stadtfesten in den Jahren 2003 und 2005 die Gewährung der Freiheitsrechte (1353) und die Gewährung des Marktrechtes (1330) im Vordergrund, so soll sich im kommenden Jahr der thematische Rahmen auf Handwerk, Ackerbau und Handel der Ackerbürger in der mittelalterlichen Stadt r beziehen. Wie Bürgermeister Erich Spamer und Erster Stadtrat Manfred Hix verdeutlichen, soll dieses umfangreiche Projekt in sechs Teilbereichen realisiert werden:
1. Das Handwerk: ein Boden, der nicht immer golden war;
2. Sauer macht lustig: die kleine Weinstadt Büdingen.
3. Heimliches Brot: die Nacht des Feuers.
4. Kommet all herbei: Markttag in Büdingen;
5. Orte der Andacht, der Stille und der Musik;
6. Stadtverteidigung auf den Mauern: Lagerleben vor den Festungsmauern.
So rufen die Stadt und der Verein "Lebendiges Mittelalter" die Bürger auf, historische Berufe und Berufsgruppen aus der Stadtgeschichte darzustellen. Heute noch gibt es Bäcker, Schlachter, Schuster, Schmiede, Zimmerleute, Steinmetze, Schreiner, Dachdecker und Maurer - diese heutigen Vertreter könnten einfach in ihrer Berufssparte mitmachen und in die Rolle ihrer Vorfahren schlüpfen, bitten Spamer und Hix und die Verantwortlichen des Vereins. Allerdings seien nicht nur diese noch aktiven Berufsgruppen aufgerufen, sondern die Büdinger Einwohner könnten auch längst in Vergessenheit geratene Berufsbilder wieder in Szene setzen, um ein mannigfaltiges, realistisches Bild dieser Zeit zu präsentieren. Ein Vorschlag aus der bunten Palette der Möglichkeiten, so der Rathauschef, wäre, dass zum Beispiel die Anwohner der Färber- oder Sattlergasse diese Berufe darstellen könnten. In der damaligen Zeit gab es innerhalb und außerhalb der Festungsmauern Eisenschmelzer, Bretthauer, Ziegelbrenner, Pfannenschmiede, Leineweber, Löffler und viele Handwerker mehr. Im so genannten Hofhandwerk waren die Harnischfeger, Armbrustmacher, Büchsenmacher und andere aktiv. Insgesamt über 70 Berufe und Tätigkeiten sind zu Zeiten des Mittelalters bis zum Beginn der Neuzeit um 1500 in der Stadt nachgewiesen. Möglichst viele dieser unterschiedlichen Gewerke sollen während der Haupt-Festtage am 7. und 8. Juli dargestellt werden, um die Geschichte ganz realistisch lebendig zu machen. Deshalb bitten Spamer und Hix um Unterstützung und tatkräftige Hilfe der Bürger.
Auch der Verein "Lebendiges Mittelalter" ist seit langen mit den Planungen befasst. In vielen Treffen werden Ideen konkretisiert und in allen Einzelheiten besprochen. Den Auftakt des großen Mittelalterfestes wird ein historisches Gastmahl an einer großen Tafel im Oberhof machen. Über 150 Gäste können daran teilnehmen. Sänger, Tanzgruppen, Musikanten und Gaukler werden im Rahmenprogramm auftreten. Während des Mittelalterfestes werden Ritter und Landsknechte ihr Lager vor den Festungstoren der Stadt aufschlagen. In den Gassen und auf den Plätzen der historischen Stadt werden Theaterszenen aufgeführt. Dort werden auch über hundert Marktstände aufgebaut sein. Fahrende Sänger, Gaukler und Musikanten werden sich ein Stelldichein geben. Die Stadtwache zieht auf, Ratsfrauen und Ratsherren führen die Gäste zu den schönsten Orten der Stadt, Heckenwirte laden zur Rast in ihre Höfe ein. Bauern, Handwerker und Händler gestalten einen Umzug durch die Stadt und in der Nacht wird es einen "feurigen" Umzug geben.
In der Marienkirche werden die Besucher mit der Heilligen Hildegard, die um das Jahr 1000 lebte, bekannt gemacht. Dort wird ihr "Ordo virtutum - Das Spiel der Kräfte" schauspielerisch vorgeführt. All dies sind nur einige Anhaltspunkte, wie "Handwerk, Ackerbau und Handel" während des Mittelalterfestes im kommenden Jahr dargestellt werden soll. Der KA wird in lockerer Folge über einzelne Projekte berichten. Schon jetzt sind Menschen, die sich am Fest in irgendeiner Form beteiligen wollen, willkommen.
Die Stadt und der Verein "Lebendiges Mittelalter" sind auf die Unterstützung interessierter Bürger angewiesen, damit dieses bunte Spektakel realisiert werden kann. Weitere Informationen dazu gibt es in der Abteilung Jugend, Kultur und Soziales der Stadtverwaltung unter der Telefonnummer 06042/884123 und per Mail unter jkuehnl@stadt-buedingen.de. Darüber hinaus informiert auch gerne Dieter Egner vom Mittelalterverein unter 060042/4242.
Mitspieler für Mittelalterfest gesucht (Kreis-Anzeiger, 04.01.2007)
7. und 8. Juli 2007: Interessenten aus der Region können sich beim städtischen Kulturamt melden
BÜDINGEN (gt). In Büdingen soll es in diesem Jahr am 7. und 8. Juli wieder ein Mittelalterfest geben, das vom "Verein lebendiges Mittelalter Büdingen" organisiert wird. Möglichst viele Bürger aus der Region sollen daran mitwirken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Mitarbeit in AGs: Teilnahme an den beiden Umzügen in mittelalterlicher Gewandung, kleine Szenen zur Stadtgeschichte schreiben oder vorspielen, Bildung einer Schaukampf-Übungsgruppe im ritterlichen Schwertkampf, Stadtwache an den Toren und Mauern, Betreiben einer Heckenwirtschaft, mittelalterliche Speisen und schließlich die AGs "Die nächtlichen Feuer" sowie "Gassenmanagement". Interessenten können sich beim Förderverein "Lebendiges Mittelalter in Büdingen" melden oder bei der Abteilung für Kultur, Soziales und Jugend im Rathaus der Stadt Büdingen (06042-884123 und jkuehnl@stadt-buedingen.de).